Medienhaus Publix will öffentlich-rechtlichen Rundfunk und privaten Verlags-Journalismus ergänzen

Vor gut drei Jahren präsentierte die Schöpflin-Stiftung ihre Pläne für zwei Neubauprojekte an der Neuköllner Hermannstraße, die eines Tages gemeinnützige Initiativen beherbergen sollen. Freitagnachmittag konnten nun Tim Göbel (r.), Geschäftsführender Vorstand der Schöpflin-Stiftung, und die Journalistin Maria Exner (l.) das Richtfest für den ersten Neubau feiern. Am U-Bahnhof Leinestraße soll Ende 2023 das Publix, Haus für Journalismus & Öffentlichkeit, eröffnen. „Mit Publix schaffen wir einen in Deutschland einmaligen Ort zur Förderung journalistischer Neugründungen und zur Stärkung der kritischen Öffentlichkeit“, kündigte die Stiftung in einer Pressemitteilung an, als Exner, die zuletzt Chefredakteurin des ZEITmagazins war, zur Gründungsintendantin ernannt wurde.

Der Neubau an der Hermanstraße umfasst Büro-, Studio- und Veranstaltungsflächen auf mehr als 4.000 qm. Er wird Arbeitsplätze und Co-Working für mehr als 250 Medienschaffende und Mitarbeitende zivilgesellschaftlicher Initiativen bieten. Der Gründung des gemeinnützigen Medienhauses ging die Einschätzung voraus, dass der klassische Verlags-Journalismus aktuell vor großen finanziellen und strukturellen Herausforderungen stünde und der öffentlich-rechtliche Rundfunk weiterhin seine neue Rolle in einer sich immer stärker digitalisierenden Gesellschaft noch suche. Selbstbewusst erklärt die Schöpflin-Stiftung auf ihrer aktuellen Webseite: „Den gemeinnützigen Journalismus sowie Initiativen, die sich für mehr Innovationen, bessere Rahmenbedingungen und eine gemeinwohlorientierte Weiterentwicklung der ‚klassischen‘ und der neuen Informationsmedien einsetzen, halten wir für notwendige Ergänzungen zu den bestehenden Angeboten, wie dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk oder dem privaten Verlags-Journalismus.“ Publix will Medienschaffenden und Zivilgesellschaft einen Rahmen für den Austausch bieten. Das Medienhaus soll ein Labor für Innovationen im Journalismus sein. Eine Werkstatt, in der neue Formate für den Austausch zwischen Journalismus, Zivilgesellschaft, Politik, Wissenschaft und der Öffentlichkeit gefunden werden. Wissen zu Themen wie Polarisierung, digitale Meinungsbildung und Informationsfreiheit sollen bei Publix gesammelt, gebündelt und verbreitet werden.

Zum Richtfest waren neben Stifter Hans Schöpflin u. a. auch Bezirksbürgermeister Martin Hikel, Stadtentwicklungsstadtrat Jochen Biedermann sowie die Neuköllner Bundestagsabgeordneten Hakan Demir (SPD ) und Andreas Audretsch (Grüne) in den Rohbau gekommen. Zu den ersten Mietern, die sich in einem gemeinsamen Video  vorgestellt haben, werden die Investigativ-Redaktion Correctiv, das Netzwerk Reporter ohne Grenzen sowie die Organisationen Tactical Tech und Open Knowledge Foundation gehören. Ein zentrales Element des Gebäudes ist die einladende Treppe im Erdgeschoss. Sie soll die Idee des Hauses symbolisieren, indem sie das Geschlossene mit der Weite verbindet. Einerseits haben Journalistinnen und Journalisten, die mit vielen sensiblen Informationen arbeiten, ein großes Bedürfnis nach Privatheit. Andererseits sollen Medienwelt und Öffentlichkeit im Haus sichtbar gemacht werden. Denn in einer Welt, die komplizierter und komplexer geworden ist, werde Journalismus dringend als ein Pfeiler der Demokratie gebraucht.

=Christian Kölling=

 

%d Bloggern gefällt das: