Alfa-Mobil machte wieder Station am Rathaus Neukölln

München, Potsdam, Osnabrück … Zwei Alfa-Mobile touren ständig durch Deutschland, um auf Hilfsangebote für Menschen mit Lese- und Schreibschwächen aufmerksam zu machen. Am letzten Mittwoch stellte das Team Ost des Bundesverbandes Alphabetisierung und Grundbildung e. V. seinen Stand wieder für einen Nachmittag vor dem Rathaus Neukölln auf. Neben Adrian Eppel (l.) vom professionellen Beraterteam war auch Harald Gaul (r.) als Lernbotschafter gekommen. Er ist Kursteilnehmer beim Lesen und Schreiben e. V. und begleitete die Aktion in Neukölln. „Ich war selbst in einer Situation, in der ich nicht weiterwusste. Ich wurde wegen meiner Schwierigkeiten, die ich mit dem Lesen und Schreiben hatte, von einem Job zum nächsten weitergereicht“, sagte Gaul und fügte hinzu: „Damit es anderen Betroffenen anders ergeht als mir vor meinem Kurs, bin ich Lernbotschafter: Ich möchte ihnen die Angst vor dem Lernen nehmen, damit sich für sie Türen öffnen.

So gut wie beim letzten Neukölln-Besuch des Alfa-Mobils im September 2021 war die Stimmung diesmal allerdings nicht. Bei der Koordination des Alpha-Bündnisses Neukölln gibt es aufgrund der vorläufigen Haushaltswirtschaft in Berlin nämlich eine Lücke. Die Stelle der neuen Koordinatorin Cristina Raffaele, die vor einigen Monaten Anne Schömig ablöste, lief am 31. Mai aus. Christian Berg, Sprecher des Bezirksbürgermeisters Martin Hikel erklärte: „Ursprünglich wäre die Koordination zum 31. Dezember 2021 ausgelaufen. Trotz des bislang fehlenden Haushalts konnte das Bezirksamt den Träger GesBiT bis zum 31. Mai 2022 verlängern, um die Koordination so lange wie möglich aufrechtzuerhalten. Eine darüber hinausgehende Verlängerung war vergaberechtlich nicht möglich.“ Sobald der Haushalt beschlossen sei, werde die Koordination des Alpha-Bündnisses neu ausgeschrieben, sodass im 2. Halbjahr wieder eine Koordination eingesetzt werden könne, ergänzte der Pressesprecher. „Die Homepage des Alpha-Bündnisses wird laufend durch die Volkshochschule betreut“, so Berg.

In einem Neuköllner Kurs für Alphabetisierung und Grundbildung, den der Verein Lesen und Schreiben im Januar eingerichtet hat, sind noch Plätze frei. „Lernerinnen und Lerner, die ihre Lese- und Schreibfähigkeit verbessern, die Grundrechenarten üben, mit dem Tablet lernen sowie etwas zu anderen Grundbildungsthemen erfahren möchten, können noch laufend einsteigen“, sagte mir Urda Thießen vom Verein.

„Steht doch da“
Foto-Ausstellung zum Thema funktionaler Analphabetismus

Unter dem Titel „Steht doch da“ werden Fotografien von Jesús Cabrera Hernández bis zum 30. Juli in der Helene-Nathan-Bibliothek (Karl-Marx-Str. 66/Neukölln Arcaden) präsentiert. Die Bilder entstanden in Zusammenarbeit mit dem Arbeitskreis Orientierungs- und Bildungshilfe e. V. und dem Nachbarschaftshaus Urbanstraße e. V.

Die Fotografien zeigen, wie Menschen, die nicht gut lesen und schreiben können, im Berliner Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg in vielen Alltagssituationen mit Texten konfrontiert werden und ihnen somit immer wieder die Teilhabe am täglichen Leben erschwert wird.

=Christian Kölling=

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