Kunstwerke aus New York und Los Angeles im Schloss Britz

„My Own Privat Paradise“ lautet der Titel einer Ausstellung des US-amerikanischen Künstlers Danny Minnick, die seit gestern im Schloss Britz zu sehen ist. Ich konnte Minnick bereits am Donnerstagvormittag beim Aufbau seiner Sonderausstellung beobachten und mit dem abwechselnd in New York und Los Angeles lebenden Streetartist, Schauspieler und ehemaligen Profi-Skateboarder sprechen. Während der Ausstellung wird eine Fahne über dem Schloss Britz wehen, die der vielseitige Künstler, der stets drahtlose Kopfhörer trägt, gerade gestaltete,. Sie zeigt einen Knochenmann mit Pluszeichen, der zu einer Art Markenzeichen in Minnicks Wandbildern geworden ist. „Unser ganzes Leben lang wird uns gesagt, was wir tun oder nicht tun sollen. Uns wird gesagt, dass wir uns an die Regeln halten, die Regeln befolgen, zuhören oder still sein sollen. Im Laufe der Jahre werden Gefühle, Gedanken, Meinungen – absichtlich oder nicht – in den Hintergrund gedrängt“, urteilt der bildende Künstler. Unbeaufsichtigt oder ignoriert, würden negative Emotionen und Erfahrungen die Menschen aber weiterhin belasten. „Wir müssen das Verschüttete an die Oberfläche bringen. Wir müssen uns dem stellen, was unter der Oberfläche lauert, um Licht in unser Leben zu bringen. Metaphorisch gesehen geht es tatsächlich darum, Wahrheit und Ehrlichkeit mit sich selbst zu finden“, ist das Credo seiner Arbeit.

„Wir freuen uns, den bildgewaltigen, farbstarken Künstler erstmals in einer Einzelausstellung in Berlin zeigen zu können und sein Werk dabei im Kontext unseres historischen Bauensembles zu präsentieren“, sagte Dr. Martin Steffens, Geschäftsführer der Kulturstiftung Britz. „Bei der Präsentation ergeben sich kreative Reibungen und überraschende Übereinstimmungen zwischen der historistischen Raumgestaltung und den zeitgenössisch gestalteten Ausstellungsräumen etwa in Bezug auf Farbigkeit, Ornamentik und Aspekten des Interior Designs. Selbst der Boden wird zum Kunstwerk und begehbaren ‚Bild‘“, erläuterte Steffens. Die Kulturstiftung präsentiert Minnicks Arbeiten in Kooperation mit der Düsseldorfer Galerie Geuer und Geuer Art sowie der Galerie Saal in Ludwigshafen. Ein 15-minütiges Video über Leben und Werk des in Seattle geborenen Künstlers rundet die Ausstellung ab. Es wurde vor einigen Jahren in der ntv-Kunst-Doku-Reihe mit Wolfram Kons ausgestrahlt und ist unter dem Titel „Inside Art: Danny Minnick – Vom Skateboardstunt zum Streetartstar“ weiterhin im Internet abrufbar.

Galerist Dirk Geuer (l.), der ebenfalls nach Britz gekommen war, wies auf die malerischen Qualitäten und die Vielseitigkeit des ehemaligen Skateboard-Stars hin, der sich bei einer Filmproduktion als Stunt-Double so schwer verletzte, dass er seinen Sport nicht mehr ausüben konnte und fortan seine Energie auf die Malerei richtete. Sein Malstil erinnere an die Stil-Ikonen Keith Haring, Willem de Kooning und Jean-Michel Basquiat. „Zu Basquiat hat Minnick sogar einen unmittelbaren Bezug, arbeitet er mit der New Yorker Street-Art-Legende Al Diaz oft zusammen, der nicht nur ein enger Schulfreund und Weggefährte Basquiats war, sondern mit diesem zusammen eines der ersten Graffiti-Tags New Yorks 1977 ins Leben gerufen hat: SAMO©“, heißt es auf der Website der Düsseldorfer Galerie wörtlich. Inzwischen trügen die Wände zahlreicher Metropolen seine Handschrift, vom Wynwood District in Miami bis zur Londoner U-Bahn-Station am Barbican, wo er in direkter Nähe zu Banksys Hommage an Basquiat sich künstlerisch verewigt hat. Nach seiner Verletzung entschied sich Minnick aber nicht nur für die Malerei, sondern auch für die Schauspielerei. Er ist heute lebenslanges Mitglied von „The Actors Studio“ , einer Schauspielwerkstatt in New York City mit Filiale in West Hollywood, deren Mitglieder professionelle Schauspieler sind, die ihre Fähigkeiten in einer experimentellen Umgebung ohne kommerziellen Druck weiterentwickeln möchten.

“My Own Private Paradise” wurde von 2020 bis 2022 in New York und Los Angeles geschaffen. Das umfangreiche Werk dreht sich um zeitgenössische Kultur, Freunde, Beziehungen, Familie, die Antike und um das Leben nach dem Tod. Die Ausstellung bringt hoffentlich etwas großstädtisches Lebensgefühl nach Britz und lockt auch Neugierige aus dem Norden in den Süden Neuköllns.

Danny Minnicks Ausstellung „My Own Private Paradise“ wird bis zum 22. August im Schloss Britz (Alt-Britz 73) gezeigt. Öffnungszeiten: Di. – So. 12 – 18 Uhr; Eintritt: 5 Euro / erm. 3 Euro

=Christian Kölling=

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