Kreativkongress Neukölln will die lokale Wirtschaft stärken

Zwei Tage lang tagte der Kreativkongress „Get Connected“ diese Woche in der Alten Post an der Karl-Marx-Straße in Neukölln. Die Corona-Pandemie hat deutschlandweit insbesondere den kreativen Bereichen Darstellende Kunst, Musik und Film stark zugesetzt, aber auch Rundfunk, Design und Werbung mussten Umsatzeinbußen zwischen zehn und sieben Prozent hinnehmen, während die Geschäftslage für die Teilmärkte Buch, Presse, Architektur sowie Software/Games fast unverändert blieb. Dementsprechend groß war das Interesse der Kunst- und Kreativ-Wirtschaft (KKW) am 5. Kreativkongress in Neukölln und das sechsköpfige Organisationsteam wurde zum Schluss am frühen Mittwochabend mit verdientem Beifall bedacht.

Organisatorin Stefanie Raab, Geschäftsführerin der Coopolis GmbH, begrüßte am Nachmittag des ersten Kongresstages nicht nur Bezirksbürgermeister Martin Hikel und seinen für die Neuköllner Wirtschaftsförderung zuständigen Mitarbeiter Clemens Mücke. Auch Dr. Armin Seitz, Firmenchef der Moll Marzipan GmbH sowie Vorstand des Unternehmensnetzwerks Neukölln-Südring e. V. war auf das Podium gekommen und hatte einige „klassische Unternehmer“ zum Kongress mitgebracht. „Haben Sie keine Angst vor Geld und Aufträgen! Ich möchte Ihr Unternehmerblut wecken“, sagte Seitz den Zuhörenden und fragte sie rhetorisch: „Sind kreative Unternehmen anders als etablierte Unternehmen?“ Anschließend ging es in mehreren Workshops um die Frage, warum sowohl für das produzierende Gewerbe und andere Wirtschaftszweige als auch für die KKW eine Zusammenarbeit interessant und lukrativ sein kann. Einen Tag später nahm Jochen Biedermann, stellvertretender Bezirksbürgermeister, Leiter des Geschäftsbereiches Stadtentwicklung, Umwelt und Verkehr, an einem Workshop teil, um das Engagement Neuköllns für die Förderung der Kreativ-Wirtschaft zu bekräftigen.

Der zweite Tag des Kongresses endete mit einer letzten intensiven Arbeitsgruppenphase, bevor es am Kiosk auf dem KINDL-Gelände ein Get Together gab. „Wir wollen aus den Ergebnissen der Thementische die Handlungsfelder sowie zukünftige Visionen und Projekte für die KKW in Neukölln herausarbeiten“, kündigten André Batz (l.) vom Kreativnetz Neukölln e. V.  und Stefanie Raab (r.) gemeinsam das abschließende Brainstorming an. “Alle können sich aktiv beteiligen und die eigenen Ideen für die Zukunft der ‚Kunst- und Kreativ-Wirtschaft‘ einbringen“, fügten sie hinzu. Besonders originell war die Idee einer vierköpfigen Arbeitsgruppe, die einen „Neuköllner Kulturleuchtturm“ erfand. Verwaltungen, Unternehmen, Kinder- und Jugendeinrichtungen, aber auch Politikerinnen und Politiker könnten hier eine bestimmte Zahl von Kunstwerken erwerben oder kostenlos entleihen, um damit ihre Arbeitsräume zu verschönern. Berühmtes Vorbild ist die Artothek des Deutschen Bundestags. 1968 erwarb das Parlament 500 Grafiken zu je 500 Mark als Grundstock für diese Artothek.  Seitdem können sich die Abgeordnete aus diesem Fundus zeitgenössische Kunstwerke für ihre Arbeitsräume ausleihen.

=Christian Kölling=

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