Viele Feste und eine große Demonstration am 1. Mai in Neukölln

Jubel, Trubel, Heiterkeit will das Bezirksamt den Neuköllnerinnen und Neuköllnern zwischen Rathaus und Hermannplatz am kommenden Sonntag vom Mittag bis in die Abendstunden bieten: Am 1. Mai sollen die Vielfalt und das friedliche Miteinander in „Berlins buntestem Bezirk“ (Eigenwerbung BA Neukölln) auf insgesamt fünf Veranstaltungen mit Kinder- und Familienfesten, Flohmarkt, Live-Musik sowie bei einem öffentlichen Fastenbrechen zelebriert werden. „Der 1. Mai ist Tag der Arbeit, der Solidarität und der Menschenrechte. Das verbindet uns alle in Neukölln – und das wollen wir in diesem ganz herausfordernden Jahr auf den Straßen zeigen“, wirbt Bezirksbürgermeister Martin Hikel für den Besuch des dezentralen Veranstaltungsreigens.

Auf dem Hermannplatz findet ab 13 Uhr ein großer Flohmarkt zugunsten der Organisationen statt, die Geflüchtete unterstützen. Ebenfalls am Hermannplatz lässt das Team der Fujiama Nightclub Roadshow bis in den Abend hinein verschiedene Bands auf seiner Live-Bühne auftreten. Rund um das Neuköllner Rathaus und die Erkstraße gibt es eine Show des Circus Mondeo, Marionettentheater sowie andere Attraktionen. Im Kinder- und Jugendzentrum Lessinghöhe werden Tischtennis- sowie Fußballturniere angeboten. Um 19 Uhr lädt Bürgermeister Hikel zum öffentlichen Fastenbrechen auf der Sonnenallee in Höhe Pannierstraße ein. „Dazu sind besonders Menschen aus Flüchtlingsunterkünften und Bedürftige aus den umliegenden Moscheen eingeladen. Wer kann und will, darf gerne auch Essen mitbringen“, heißt es in der Einladung wörtlich. Die Veranstaltungen seien auf Initiative des Bezirksamtes durch die enge Zusammenarbeit zahlreicher engagierter Neuköllner Akteurinnen und Akteure zustande gekommen, schließt die Erklärung.

Insbesondere die Einladung des Bürgermeisters zum Fastenbrechen findet aber nicht nur Zustimmung. „Maghrib ist 20:34 Uhr nicht 19 Uhr“, merkte eine Leserin unter der Einladung des Bezirksamtes bei Twitter an. Im Islam ist Maghrib das vierte Gebet des Tages, das gleichzeitig das Ende des täglichen Fastens im Ramadan markiert. Ahmed Abed, Neuköllner Bezirksverordneter der Fraktion Die Linke, schimpfte bei Twitter: „OMG! Ich hatte das ‚bringt Essen selbst mit‘ befürchtet, konnte mir aber nicht vorstellen, dass das Bezirksamt Neukölln und @martinhikel sich so die Blöße geben könnten. Absagen wäre besser als ein Iftar ohne Essen. Wer denkt sich sowas nur aus?“

Die Organisatoren der „Revolutionären 1. Mai Demo“ befürchten gar, dass ihr Protestzug, der um 18 Uhr vom Hertzbergplatz über Sonnenallee, Kottbusser Damm und Adalbertstraße bis zum Oranienplatz führen soll, durch die vom Bezirksamt Neukölln geplanten Veranstaltungen behindert werden könnte. „Beim Kooperationsgespräch am 20. April 2022 wurde von der Versammlungsbehörde problematisiert, dass der Bezirk Neukölln drei Straßenfeste plant“, teilte das Demo-Bündnis in einer Presseerklärung mit.  „Das Bezirksamt Neukölln hat auf unsere wiederholten Kontaktversuche seit Mittwoch nicht reagiert. Auch der uns seitens der Polizei benannte Ansprechpartner im Bezirksamt reagiert nicht“, sagte Bündnis-Sprecher Martin Suchanek am Freitag. Im Jahr 2021 wurde die mehrere Tausend Menschen zählende „Revolutionäre 1. Mai-Demonstration“ in Neukölln von der Polizei aufgelöst, weil es an mehreren Stellen zu Gewaltausbrüchen gekommen war. Über die Ursachen der Gewalt diskutierte im Berliner Abgeordnetenhaus der Innenausschusses am 3. Mai 2021 ausführich. Die Demonstration, die seit 1988 traditionell in Kreuzberg begann, startet zum zweiten Mal in Neukölln. Die Auftakt-Kundgebung beginnt bereits um 16.30 Uhr auf dem Hertzbergplatz.

Programmübersicht: „Neukölln feiert den 1. Mai“

– Flohmarkt Fundraiser, 13 – 19 Uhr, Hermannplatz

– Livebühne, 15 – 21 Uhr, Hermannplatz

– Großes Kinder- und Familienfest, 15 -19 Uhr, Rathaus / Erkstraße

– Fest für Kinder und Jugendliche, 13 -19 Uhr, Lessinghöhe (Mittelweg 30)

– Öffentliches Fastenbrechen, 19 – 21 Uhr, Sonnenallee / Pannierstraße

Für Besucherinnen und Besucher sind alle Veranstaltungen kostenlos. Es besteht ein Glasverbot. Vollständiges Programm: https://www.berlin.de/ba-neukoelln/aktuelles/pressemitteilungen/2022/pressemitteilung.1197663.php

=Christian Kölling=

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