Peter-Petersen-Schule fordert „Blumen statt Müll“ im Kiez

Alle zwei Jahre demonstriert die Peter-Petersen-Grundschule unter dem Motto „Attacke gegen Hundekacke“ im Körnerkiez. Die Demo findet stets am Ende einer Projektwoche über grundlegende Themen der Umwelterziehung statt. Im Jahr 1999 stellten die damalige Schulleiterin Ruth Weber und das Kollegium die erste Kundgebung auf die Beine. Webers Nachfolgerin Hildegard Greif-Groß sowie die heutige Schulleiterin Beate Nitsche setzten diese Tradition fort. So konnte die Demo der Grundschulkinder ein fester Termin im politischen Kalender Neuköllns werden. Anfangs unterstützten die CDU-Politiker Prof. Bodo Manegold, Bezirksbürgermeister von 1995 bis 2001, und Stadträtin Stefanie Vogelsang, stellvertretende Bürgermeisterin von 2001 bis 2009, den Protest. „Ich begleite die Aktion nun seit ungefähr 2007“, sagte mir der Bezirksverordnete Dr. Christian Hoffmann, der in diesem Jahr die Demonstration angemeldet hatte. Er arbeitet ehrenamtlich im Pyramidengarten Neukölln und ist seit 2016 Mitglied der Grünen BVV-Fraktion. Franziska Giffey nahm die traditionelle Demonstration schließlich 2017 als Bezirksbürgermeisterin in die „Schön wie wir“-Kampagne auf. Am Freitagnachmittag kamen ihr Nachfolger Martin Hikel sowie Schulstadträtin Karin Korte (beide SPD) zum Protestumzug. Auch der Landesparlamentarier Niklas Schrader (Die Linke), dessen Abgeordnetenbüro gleich um die Ecke ist, war zum Protestumzug erschienen.

„Der Dreck muss weg!!!“, riefen die Grundschulkinder immer wieder laut und eindringlich im Sprechchor. Neugierig schauten einige aus ihrer Alltagsroutine gerissene Nachbarn den über 300 Kindern und ihren erwachsenen Begleitern hinterher. Ihr Kiez-Rundgang war vor dem Schulgebäude in der Jonasstraße gestartet und führte über die Hermannstraße zurück zum Schierker Platz. Besondere Aufmerksamkeit zog das bunte Transparent mit der Aufschrift „Blumen statt Müll“ an der Spitze des Zuges auf sich. „Klein, aber Kacke“, „Weg mit der Kacke, sonst gibts was auf die Backe“, lauteten einige Slogans auf den größeren Plakaten. Viele Kinder hatten sich selbst gebastelte Schilder umgehängt oder hielten sie an Stöcken in die Höhe. Die Berliner Stadtreinigung begleitete den Zug am Ende mit einer Kehrmaschine und einem Transporter. Die Polizei vom Abschnitt 55 bahnte einen sicheren Weg auch durch die vielbefahrene Hermannstraße.

Auf der Abschlusskundgebung stellten Schülerinnen und Schüler verschiedener Teams die Ergebnisse ihrer diesjährigen Projektwoche vor. In zahlreichen Straßen rund um die Peter-Petersen-Schule hatten sie jeweils mehrere Hundert Hundehaufen entdeckt und mit umweltfreundlicher grüner Sprühfarbe markiert. Insgesamt wurden in diesem Jahr fast 3.000 Häufchen gezählt. Ihren Ärger haben Lehrkräfte und Schulkinder schon vor langer Zeit zum Ausdruck gebracht, indem sie zur Melodie des traditionellen amerikanischen Frühlingsliedes „I like the flowers“ einen eigenen Text dichteten. Ihr Protestlied trugen sie am vergangenen Freitag wieder vor. Danach klang die Veranstaltung harmonisch aus: Viele Kinder umringten Bürgermeister Hikel und ließen sich Autogramme geben. Die nächste Demonstration wird schon im kommenden Jahr stattfinden, um in den alten Rhythmus zurückzukommen. 2021 fiel der Protest coronabedingt aus. Mal sehen, wie viele Häufchen 2023 in der 13. Projektwoche gezählt und markiert werden müssen.

=Christian Kölling=

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