Ukraine-Hilfe in Neukölln: Bezirk eröffnet Informationsportal und Kollekte nach Friedensgebet sammelt 35.000 Euro

Bald zwei Wochen dauert die russische Invasion in der Ukraine an. Und als Zeichen der Solidarität leuchten die Fenster des Neuköllner Rathausturmes seit einigen Tagen in den Nationalfarben des bedrängten Landes. In enger Abstimmung mit dem Berliner Senat unterstützt jetzt auch das Bezirksamt Neukölln ganz praktisch die schutzsuchenden Menschen aus der Ukraine. „Die Organisation von Unterkünften sowie das Ankunftsmanagement wird zentral durch den Senat organisiert. Auf bezirklicher Ebene werden vor allem Angebote für die lokale gesundheitliche Versorgung, rechtliche Versorgung oder ehrenamtliche Unterstützung gesucht“, teilte der Pressesprecher des Bezirksbürgermeisters am Freitag mit.

Ein lokales Informationsportal, das in enger Zusammenarbeit mit Neuköllner Engagement Zentrum (NEZ) entsteht, will sowohl eine Orientierung für bereits angekommene Menschen aus der Ukraine, als auch für ihre Unterstützerinnen und Unterstützer in Neukölln bieten. Es ergänzt die zentrale Informationsseite des Senats.

Das Bezirksamt ruft dazu auf, für das Portal alle bekannten Anlaufstellen per E-Mail an ukraine-hilfe@nez-neukoelln.de zu melden. Dazu gehören etwa russisch- und ukrainisch-sprachige Arztpraxen und Hebammen genauso wie Angebote zur Sprachmittlung, ehrenamtliche Initiativen oder Anwaltskanzleien. Das Angebot soll laufend ergänzt werden und in deutscher sowie ukrainischer Sprache zur Verfügung stehen. Zweitens können sich alle Neuköllnerinnen und Neuköllner, die ehrenamtlich helfen wollen, unter dieser E-Mail Adresse melden. Das NEZ nimmt Kontaktdaten sowie Sprachkompetenzen auf und vermittelt die Ehrenamtlichen an Organisationen und Hilfsstrukturen.

An einem virtuellen Friedensgebet, das das in Neukölln beheimatete Projekt „Spirit and Soul“ bereits am Aschermittwoch ausrichtete, beteiligten sich deutschlandweit über 3.000 Menschen. In nur 36 Stunden gingen durch die Kollekte 35.000 Euro bei den Organisationen Libereco und Vostok SOS ein, die den Menschen in der Ukraine direkt helfen. „Das ist ein kraftvolles und mutmachendes Zeichen der Solidarität für die Menschen in der Ukraine“, bedankten sich die Pfarrerinnen Lioba Diez und Christina Biere für die großzügigen Spenden.

Während des politischen Nachtgebetes, dessen Aufzeichnung weiterhin online ist, berichteten die Historikerin Imke Hansen, der Konfliktforscher Arvid Bell sowie Andrij Waskowycz, der ehemalige Caritas-Präsident der Ukraine, über die aktuelle Situation im Land. Arvid Bell erinnerte u. a. daran, dass es bereits seit sieben Jahren einen Krieg in der Ukraine gebe. Mit dem russischen Einmarsch habe es keine Zeitenwende gegeben. Wir lebten längst in einer anderen Welt und seien jetzt nur aufgewacht. „Ich empfinde großen Respekt für alle Russen, die die Repression in ihrem Land kennen, und die es trotzdem wagen, ihre Stimme gegen den Krieg zu erheben“, sagte Bell.

=Christian Kölling=

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