Wie erfolgreich wird der „Runde Tisch“ zur Zukunft des Nachbarschaftshauses Karlsgartenstraße 6?

Mindestens 2.500 Unterschriften will die Initiative „Karlsgarten6 bleibt!“ bis zum Ende des Jahres sammeln, um das Nachbarschaftshaus Karlsgartenstraße 6 in seiner jetzigen Form als Ankerort für 25 Vereine und Initiativen im Schillerkiez zu erhalten. In dieser Woche erreichte die Online-Petition, die an das Bezirksamt Neukölln gerichtet ist, bereits die Hälfte des angestrebten Quorums. Rund 60 Frauen und einige Männer versammelten sich zudem am Montagnachmittag vor dem Nachbarschaftshaus bei einer Demonstration, um für den Erhalt ihres soziokulturellen Begegnungsortes auf die Straße zu gehen.

Bei einem Zwischenstopp am Haus der Bildung in der Boddinstraße sprach Bezirksstadträtin Karin Korte zu den Demonstrierenden und kündigte für Mittwoch die Einrichtung eines sogenannten Runden Tisches an. Zugleich machte sie den Demonstrantinnen aber nur wenig Hoffnung: Die Räume des ehemaligen Hausmeisterhauses in der Karlsgartenstraße 6 würden von der Volkshochschule, die u. a. Deutschkurse für Geflüchtete anbiete, dringend gebraucht, verkündete Korte über Megaphon. Der Protestzug, an dem auch der Neuköllner SPD-Bundestagabgeordnete Hakan Demir sowie Carla Aßman und Ahmed Abed von der BVV-Fraktion Die Linke teilnahmen, zog anschließend zum Rathaus Neukölln weiter. „Die Rede der Bezirksstadträtin hat mich nur frustriert!“, machte eine Frau während der Abschlusskundgebung ihrem Ärger Luft. Der Bezirksverordnete Abed sagte in einem Redebeitrag den Versammelten die Unterstützung der Linken zu, ohne jedoch konkret zu werden.

Am vergangenen Donnerstag – einen Tag nach dem ersten Treffen des Runden Tisches – versuchte Korte jetzt mit einer zweiseitigen Presseerklärung unter der Überschrift „Perspektive des Nachbarschaftshauses Karlsgartenstraße. Vom Nebeneinander zum Miteinander“ in die Medienoffensive zu gehen. Die Stadträtin erklärte erstens, dass der für Bildung zweckgebundene Standort in der Karlsgartenstraße 6 ab 1. Januar 2022 dem Bezirk übergeben wird. Zweitens sei es das Ziel, dort die Bildungs- und Einstufungsberatungen der VHS Neukölln anzusiedeln, um damit einem in Paragraph 5 des Berliner Erwachsenenbildungsgesetzes formulierten Beratungsauftrag nachzukommen. Ohne konkrete Namen und Fristen zu nennen erklärte Korte drittens, dass die Initiativen und Vereine, die im Nachbarschaftshaus mit Programm- und Beratungsangeboten vertreten sind, für eine Übergangszeit weiterhin die Räume nutzen dürften. Schlussendlich stellte die Bildungsstadträtin klar, dass der Standort perspektivisch von der Volkshochschule sowie einer bislang unbekannten Zahl verbleibender Initiativen und Vereine genutzt werden könne. Den Initiativen und Vereinen, die mittelfristig ihre Angebote nicht mehr im Nachbarschaftshaus machen könnten, biete das Bezirksamt deshalb Unterstützung bei der Suche nach neuen Räumlichkeiten bzw. Anbindung an andere Strukturen an.

„Es ist einverständlich gelungen, einen Fahrplan für die nächste Zukunft festzulegen“, fasste Korte die Ergebnisse des Runden Tisches zusammen, ohne auf Details einzugehen. Ob diese Ergebnisse tatsächlich eine von allen Seiten getragene Lösung sind, muss sich in den nächsten Tagen allerdings erst noch erweisen. Denn: Alle Vereine und Initiativen des Hauses, die sich noch im Oktober mit einem gemeinsamen Video präsentierten, saßen am Runden Tisch mit nur vier ausgewählten Vertretern allein den Mitarbeitern des Amtes für Weiterbildung und Kultur sowie der Sozialraumorientierten Planungskoordination gegenüber. „Die Unterschriftensammlung der Initiative ‚Karlsgarten6 bleibt!‘ geht auf jeden Fall weiter“, erfuhr ich unterdessen bereits am Donnerstagabend, nur wenige Stunden nachdem die Presseerklärung der Bezirksstadträtin Karin Korte veröffentlicht worden war.

=Christian Kölling=

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