Pflanzaktion im Trusepark soll städtisches Mikroklima verbessern

„Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg.“ Der Trusepark am Weigandufer ist eine übersichtliche Grünanlage zwischen Sonnenallee und Neuköllner Schifffahrtskanal. Früh um 8 Uhr – die Sonne war gerade aufgegangen und der Morgennebel verschwand allmählich – lernte ich am Mittwoch vergangener Woche bei einer Pflanzaktion, wie sich die Redensart wieder einmal bestätigte. Andreas Knopp, der die Pflanzung von vier Apfelbäumen und eines Quittenbaumes angeregt hatte, erinnerte sich: „Auf dem Kinderspielplatz im Trusepark bin ich schon mit meiner kleinen Tochter gewesen.“ Im Jahr 2016 bekam die rund 10.000 Quadratmeter große Grünanlage, die der inzwischen weißhaarige Mann seit Jahrzehnten kennt, ein grundlegend neues Erscheinungsbild. Der Wildwuchs wurde entfernt. Sämtliche Wege wurden neu angelegt und mit einem großformatigen gelben Betonpflasterstein gepflastert. Zwei große Bolzplätze erhielten einen Kunststoffbelag und zwei Tischtennisplatten wurden aufgestellt. Der Kinderspielplatz erhielt mehr Raum, es gab frischen Sand für die Kleinsten zum Buddeln und neue attraktive Spielgeräte. Die Sanierungsarbeiten dauerten sechs Monate und kosteten insgesamt 380.000 Euro.

In Neukölln tritt Knopp nicht zum ersten Mal für Erhalt und PfIege der Stadtnatur ein. Im Beteiligungsgremium Sonnenallee hatte er sich im Frühjahr 2019 vehement gegen Rodungen am Weigandufer ausgesprochen. „Je mehr gemacht wird, desto weniger Vögel gibt es von Jahr zu Jahr im Wildenbruchpark“, kritisierten damals die Anwohnenden. Seit einem Cleanup am Weigandufer scheint der Schutz von Wildvögeln im Bezirksamt als Thema angekommen zu sein. „Nach all dem Ärger um die Rodungen am Weigandufer und im Wildenbruchpark gibt es Erfreuliches zu melden“, sagte mir Knopp am Mittwoch, während wir auf den Pritschenwagen der Baumschule Späth warteten: „Die Baumpflanzung ist kein vom Bezirksamt oder vom Quartiersmanagement geplantes Projekt, sondern eine Initiative der Anwohnenden.“ Nachbarn würden hier für ihre Nachbarschaft einen sozialen und ökologischen Treffpunkt schaffen, der Menschen zusammenführt und gleichzeitig positiv zum Mikroklima und zur Artenvielfalt beitrage. Die Aktionsfond-Jury des QM Harzer Straße bewilligte insgesamt 1.500 Euro aus ihrem Finanztopf. Das Neuköllner Grünflächenamt genehmigte die Pflanzung.

„Wir haben die alten Apfelsorten ‚Boskoop‘, ‚Weißer Winterglockenapfel‘, ‚Goldrenette Freiherr von Berlepsch‘ und ‚Holsteiner Cox‘ ausgewählt“, sagte Knopp. Diese Sorten würden in der Regel auch von Allergikern gut vertragen. Sie hätten einen hohen Gehalt an Polyphenolen, die bei den neuen Sorten weggezüchtet worden seien. „Polyphenole oxidieren an der Luft und sind für die Braunfärbung der Schnittstellen verantwortlich. Sie binden die in den Äpfeln enthaltenen Allergene und führen dadurch zu einer besseren Verträglichkeit“, erklärte er weiter. Der fünfte frisch gepflanzte Baum ist eine Quitte „Portugiesische“. Quitten gehören zu den ältesten Kulturobstarten, die bereits die Babylonier anbauten. Sie lassen sich gut zu Marmelade oder Gelee verarbeiten. „Ich hoffe, dass die Anwohnenden sich sich für das Gedeihen der Bäume interessieren, zu ihrer Pflege beitragen und dass es Folgeprojekte für die Nachbarschaft geben wird“, fügte Knopp hinzu. Damit die Bäume bei Trockenheit gegossen werden können, wurden Gießkannnen angeschafft, für die es Wasser an einer nahegelegenen Pumpe in der Rosegger Straße gibt.

Als der Trusepark vor fünf Jahren saniert wurde, entstand auch ein kleines Schmuckbeet, das von einer Pergola und Sitzbänken umgeben ist. Seit Frühjahr 2019 gestaltet die Stiftung Kleine Plätze das Beet in Zusammenarbeit mit der Nachbarschaftsinitiative „Harzer Kiez“ und dem Grünflächenamt Neukölln. Im Frühjahr und Sommer sitzen Besucherinnen und Besucher des Parkes auf den Bänken unter der Pergola, die mit roten und weißen Kletterrosen berankt ist. Jetzt ist mit der Obstbaum-Initiative ein zweiter ökologischer Anziehungspunkt im Trusepark entstanden, der eines Tages vielleicht sogar einmal positiv auf das Weigandufer ausstrahlt.

=Christian Kölling=

Eine Antwort

  1. Lieber Christian,

    Werbung für unseren Die Basis-Kandidaten finde ich extrem fragwürdig oder kommt bald auch der Artikel zum sozialen Engagement der AfD in Neukölln?

    (Trotzdem) Herzlich Christian

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