Eröffnung des Estrel Towers in Neukölln für Ende 2024 geplant

Berlins höchstes Hochhaus und Deutschlands höchstes Hotel soll einmal am S-Bahnhof Sonnenallee in den Himmel aufstreben. Nach einer zehnjährigen Planungszeit begannen im Sommer direkt gegenüber vom Hotel Estrel die ersten Bauarbeiten für das Großprojekt. Die Bauherren Ekkehard und Maxim Streletzki stellten nun am vergangenen Mittwoch bei einer sehr gut besuchten Pressekonferenz auf der Baustelle ihre ehrgeizigen Pläne für den Estrel Tower vor. Der Grundstein für das 176 Meter hohe Gebäude soll Anfang 2022 gelegt werden. Die Eröffnung des 45 Stockwerke zählenden Gebäudes ist Ende 2024 geplant. Der Neuköllner Wolkenkratzer wird einmal das Park-Inn-Hotel in Mitte und die Treptowers am Treptower Park, die jeweils 125 Metern messen, ebenso überragen wie mehrere neue Hochhausprojekte, die am Alexanderplatz mit bis zu 150 Metern Höhe entstehen sollen. Nur der Fernsehturm reckt sich mit 368 Metern weiterhin höher als der Estrel Tower in den Himmel der Stadt.

Im obersten Stockwerk wird eine Skybar mit Außenterrasse einen außergewöhnlichen Blick auf Berlin bieten. Ein Farm to Table-Restaurant, das seine Produkte ohne Zwischenhändler direkt von einem Bauernhof in Brandenburg bezieht, ist in der 43. und 44. Etage vorgesehen. In der 41. und 42. Etage befinden sich zukünftig Meeting- und Private Dining-Rooms. Die oberen vier Stockwerke können auch als flexible Veranstaltungsflächen genutzt werden. Auf 77.500 Quadratmetern Bruttogrundfläche werden 525 Hotelzimmer und Serviced Apartments sowie 9.000 qm Büro- und Coworkingfläche entstehen. Im Sockel des Towers werden ein Veranstaltungsbereich ebenso wie eine ganze Etage für Wellness und Fitness eingerichtet. „Herzstück ist das lichtdurchflutete, begrünte öffentliche Atrium, in dem neben lokaler Bäckerei auch eine Galerie und ein Inkubator für Start-ups vorgesehen sind“, erläuterte Maxim Streletzki. Dass der Neubau als Mixed-use-Gebäude konzipiert wurde, sei eine Lehre aus der Coronazeit. Eine öffentlich zugängliche Park- und Erholungsfläche am Ufer des Neuköllner Schifffahrtskanals sowie ein Spielplatz durften im Konzept nicht fehlen. „Wir wollen ein guter Nachbar sein“, so Maxim Streletzki.

“Der Estrel Tower ist eine große Chance und ein großes Geschenk für Berlin“, sagte auf der Pressekonferenz Franziska Giffey, die das Megaprojekt u. a. als ehemalige Bezirksbürgermeisterin von Neukölln seit Anbeginn mit großem Wohlwollen begleitet. „Wir wollen den Neustart für die Hauptstadt, das muss auch ausstrahlen auf das Gesicht der Stadt. Und das hier wird ein Teil des Gesichts von Berlin“, fügte die SPD-Politikerin an, die wahrscheinlich die neue Regierende Bürgermeisterin wird und gerade Koalitionsverhandungen mit Grünen und Linken führt. Auch Martin Hikel dankte Ekkehard Streletzki und seinem Sohn Maxim: „Es macht mich als Bürgermeister von Neukölln sehr stolz, dass der Tower in meinem Bezirk steht und dieses Areal zu einem neuen Zentrum wird.“ Verkehrstechnisch ist das Baugelände an der Sonnenallee zwischen dem neuen Abschnitt der Stadtautobahn A100, dem Neuköllner Schifffahrtskanal sowie den Gleisen der Bahn bestens erschlossen, stellte Hikel fest.

“Wir haben schon oft Architektenwettbewerbe gewonnen, aber nicht immer werden unsere Siegerentwürfe dann auch in die Realtität umgesetzt“, freute sich die Architektin Regine Leibinger. Sie und ihr Kompagnon Frank Barkow vom Berliner Architekturbüro Barkow Leibinger hatten sich im Februar 2014 mit ihrem Entwurf, der auch bei Senatsbaudirektorin Regula Lüscher große Anerkennung fand, gegen fünf andere Bewerber durchgesetzt. „Es hat, wie auch schon beim Bau des Estrel, alles mit einer Skizze auf einer Serviette angefangen“, erinnerte sich Ekkehard Streletzki und berichtete, wie er die weitere Ausführung seiner Ideen den Experten anvertraute. So sei das für die Familie Streletzki wichtige Thema Nachhaltigkeit in die Planungen des Towers mit eingeflossen.

Das Architekturbüro Barkow Leibinger habe beispielsweise eine Fassade mit Finnen entworfen, die speziell an die Sonneneinstrahlungen vor Ort angepasst wurden, so dass sich die Räume im Hochhaus während des Sommers weniger aufheizen. Neben begrünten Dächern mit Photovoltaikanlagen komme ein innovatives CO2-sparendes Energiekonzept zum Einsatz. „Wir planen ein Energieversorgungskonzept mit Hilfe von Wasserstoff. Wenn das alles so funktioniert, wie das Forschungsteam und wir es uns vorstellen, könnte das als Blaupause für andere Projekte dienen“, ergänzte Maxim Streletzki. Für das Bauwerk selbst werde die Zertifizierung mit LEED-Gold (Leadership in Energy and Environmental Design) angestrebt. Der Estrel Tower wird durch einen Tunnel nahtlos an das bestehende Estrel Berlin mit seinen 30.000 qm Veranstaltungsfläche im Estrel Congress Center (ECC) angebunden. Das gesamte Investitionsvolumen – ohne Grundstücksankauf – liegt bei 260 Millionen Euro.

=Christian Kölling=

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