E-Roller und Räder auf Gehwegen: Neuköllner Pilotprojekt weckt große Erwartungen

Ausleihbare E-Roller, die kreuz und quer auf Gehwegen stehen oder liegen, ärgern seit langem viele Passanten in der Innenstadt. Sie sind für alle eine große Unfallgefahr, vor allem aber für Seniorinnen und Senioren sowie für Menschen mit Behinderung. Sehbehinderte und Blinde sind besonders betroffen: Sie bemerken die Barrieren und Stolperfallen erst nach einem direkten Zusammenstoß. „Wir fordern sichere Gehwege sofort!“, erklärte kürzlich Joachim Günzel, Vorsitzender des Allgemeine Blinden- und Sehbehindertenverein Berlin (ABSV). Mit einer aktuellen Änderung des Straßengesetzes habe der Berliner Senat die Voraussetzungen geschaffen, dass das Abstellen von Leihfahrzeugen zukünftig stärker reguliert und Vandalismus sanktioniert werden kann. „Wir möchten jedoch nicht noch bis 2023 warten müssen, bis die Gesetzgebung in Kraft tritt. Bis dahin können zahlreiche Menschen über E-Roller stolpern und sich verletzen“, so Günzel.

Der ABSV hat deshalb in der Woche des Sehens und zum Tag des weißen Stocks am 15. Oktober eine Kampagne gestartet. 1.000 E-Roller, die auf Gehwegen Passanten beeinträchtigten und gefährdeten, bekamen symbolisch eine gelbe Karte an ihren Lenker. „Wir fordern damit die Rollerfahrenden – aber auch die Verleihfirmen – zu mehr Rücksichtnahme auf. Die Aktion unterstützen der Fuss e. V. sowie der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband.

„Unser Appell richtet sich ebenso an die Bezirke, die für Abstellplätze jenseits der Gehwege sorgen müssen“, sagte Günzel. Anerkennend wies er auf „erste Maßnahmen in Neukölln“ hin. Hier will Bezirksbürgermeister Martin Hikel Fahrräder und E-Scooter während eines dreimonatigen Pilotprojektes mit Piktogrammen vom Gehweg holen. Für gefährlich abgestellte E-Roller kann das Ordnungsamt jetzt ein Bußgeld verhängen. Das Pilotprojekt soll voraussichtlich Ende Dezember ausgewertet werden.

Die Aktion des ABSV, die vorerst auf Berlin beschränkt ist, sucht weiterhin neue Unterstützerinnen und Unterstützer. Wer gelbe Karten an die Lenker der E-Roller hängt, kann das – wie es beispielsweise die Fotografin Dagmar Gester gemacht hat – zusätzlich mit einem Foto dokumentieren und die Aufnahme über soziale Medien teilen.

Die Kärtchen können kostenfrei beim ABSV bestellt werden: presse@absv.de

=Christian Kölling=

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