„Shalom Rollberg“: Mit Bildungsarbeit gegen Antisemitismus

„Als Israeli geboren und aufgewachsen, empfand ich Antisemitismus als ein Phänomen der Vergangenheit. Hier in Deutschland war ich der andere. Und leider habe ich hier erkannt und erlebt, dass Antisemitismus nicht nur der Vergangenheit angehört.“ Yonathan Weizman leitet seit 2018 in Berlin Neukölln die Initiative „Shalom Rollberg“. Jüdische Alt- und Neu-Berliner – darunter viele aus Israel – engagieren sich in der Gruppe als ehrenamtliche Mentorinnen und Mentoren für benachteiligte, meist arabischstämmige Kinder und Jugendliche. In einem kurzen Essay, das im Sommer in dem Buch „Goodbye Hate!“ veröffentlicht wurde, schildert Weizman aus erster Hand, wie sich der Antisemitismus im Rollberg-Viertel zeigt und was konkret für die Antisemitismusprävention getan werden kann.

„Es ist das philosophsophische Fundament unserer Arbeit: Wenn man sich gegenseitig kennt, dann hasst man sich nicht. Wir bei ‚Shalom Rollberg‘ wissen, dass die Präsenz in Zeit und Raum der Schlüssel zur Beseitigung von Feindseligkeiten ist“, erklärt Weizman. In Neukölln lebten viele junge Israelis, allerdings seien die meisten muslimischen Kinder und Jugendlichen in ihrem Leben noch nie wissentlich einem Juden begegnet. Durch Begegnungen und gemeinsame Aktivitäten sollen Vorurteile abgebaut sowie tragfähige Beziehungen über Religionen und Kulturen hinweg aufgebaut werden.

Die Initiative bietet hochwertige Bildungsmöglichkeiten an. „Niemand kommt zu uns, um Jüdinnen oder Juden zu treffen. Das Gegenteil ist der Fall. Viele erwachsene jüdische Freiwillige haben den Wunsch, Musliminnen und Muslime zu treffen“, berichtet Weizman. Über die aktuellen Bildungsangebote – zu denen normalerweise Hausaufgabenhilfe, Kung-Fu, Englisch und Kunst gehören – informiert die Webseite von „Shalom Rolberg“. Yonathan Weizman hat über seine Erfahrungen im Kampf gegen Antisemitismus und Xenophobie im Neuköllner Rollberg-Viertel auch während der Online-Jahreskonferenz „Schalom Aleikum“ gesprochen, als das 88-seitige Buch „Goodbye Hate! Bildungsakteurinnen und -akteure gegen Antisemitismus“ vorgestellt wurde. Das Video ist weiterhin bei Youtube anzusehen.

„Goodbye Hate! Bildungsakteurinnen und -akteure gegen Antisemitismus“, herausgegeben vom Zentralrat der Juden in Deutschland, ist für 12,90 Euro im örtlichen Buchhandel erhältlich.

=Christian Kölling=

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