Umwelt- und Nachhaltigkeitsfest Neukölln wirbt für enkeltaugliche Zukunft

Müll vermeiden, reparieren, tauschen: Mit viel Idealismus, Kreativität und innerer Überzeugung präsentierten sich am vergangenen Sonnabend wieder mehr als 40 Initiativen beim 4. Umwelt- und Nachhaltigkeitsfest auf dem weitläufigen Campus-Rütli in Neukölln. Gekommen waren unter anderem der Bund Berlin, die Berliner Stadtreinigung, das Kulturlabor Trial & Error, der Berliner Büchertisch, das Freilandlabor Britz, Berlin-Vegan und viele mehr. Die Organisatoren Schön wie wir und der Genug e. V. konnten damit an den Veranstaltungserfolg im vorletzten Jahr anknüpfen, nachdem das Umweltfest 2020 coronabedingt nur im reduzierten Umfang stattgefunden hatte.

„Ich erhoffe mir, dass unser Fest auch ein Beitrag dazu ist, Klimaschutz nicht nur als belastende Einschränkung zu sehen“, sagte Bezirksbürgermeister Martin Hikel am Mittag zur Begrüßung auf der Bühne, wo es anschließend politische Diskussionen, Informationen, Unterhaltung und Live-Musik bis zum frühen Abend gab. Vor allem ein großer Lastenrad-Parcours war auf dem Gelände nicht zu übersehen. Daneben fielen mir diesmal mehrere Initiativen auf, die wie das Kulturlabor Trial & Error oder die Kampagne für Saubere Kleidung auf unterschiedliche Weise einen bewussten und verantwortungsvollen Umgang mit Textilien fördern.

Eine Künstlerin, die mit einer mobilen Kleiderkammer über das Gelände zog, kündigte eine außergewöhnliche Modenschau für den 12. September an: „Streetware fordert die Fast Fashion heraus, transformiert weggeworfene Textilien in prêt-à-porter und inszeniert soziale Plastik“, sagte sie mir und erläuterte: “Wir schaffen das ultimative Urban Outfit aus weggeworfenen Kleidungsstücken von den Straßen Neuköllns und setzen neue Fashionstandards. Streetware ist Berlins nachhaltigstes Modelabel.“ Das Kunstprojekt nimmt sich die Arbeit der Lumpensammler zum Vorbild, die früher auf der Suche nach Alttextilien von Dorf zu Dorf und durch städtische Straßen zogen.

Die Initiative Klima-Kollekte stellte an ihrem Stand mit einer Balkenwaage anschaulich dar, wie unvermeidbare CO2-Emissionen, die auf Reisen, im Haushalt oder während der Arbeit entstehen, kompensiert werden können. Die Ausgleichszahlungen werden nach Angabe des Kompensationsfonds der christlichen Kirchen gezielt in Projekte in Ländern des globalen Südens investiert, um gleichzeitig Armut zu mindern und das Klima zu schützen.

Die Organisation Steps for Peace, die im Arbeitsfeld der Demokratieförderung auch international tätig ist, war mit einem mobilen Wahllokal zum Umwelt- und Nachhaltigkeitsfest nach Neukölln gekommen. „Das Superwahljahr 2021 ist ein guter Anlass, um sich mit Wahlen, der parlamentarischen Demokratie und ihrer Verankerung im Grundgesetz näher zu befassen“, sagte mir Geschäftsführerin Cornelia Brinkmann. Wahlberechtigte Bürgerinnen und Bürger sollen ermutigt werden, mit ihrer Stimmabgabe aktiv die zukünftige Politik mitzubestimmen. In einer simulierten Wahl, bei der sechs Fantasie-Parteien zur Auswahl standen, erhielt – vielleicht wenig überraschend – die „Umwelt-Partei“ die meisten Stimmen. Es folgten die Ein-Dach-für-alle-Partei sowie die Kinder-zuerst-Partei.

Nachdenklich machte mich, dass fast alle Initiativen, mit denen ich sprach, sich mehr Unterstützung durch ehrenamtliche Helferinnen und Helfer wünschten. Einige beklagten sich zudem darüber, dass sie nach wie vor auf befristete Projektförderungen angewiesen seien, obwohl sie schon seit Jahren tätig seien und somit eigentlich gesellschaftlich notwendige Daueraufgaben erfüllen würden.

=Christian Kölling=

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