„Wir müssen noch immer dafür kämpfen, dass unsere Athletinnen und Athleten die Wahrnehmung erhalten, die sie aufgrund ihrer Leistungen einfach verdienen“

Kaum sind die Olympischen Spiele in der japanischen Hauptstadt vorbei, da steht dort schon das nächste Mega-Event an: Heute beginnen in Tokio die Paralympics, der größte globale Wettbewerb für Menschen mit Körperbehinderungen. Insgesamt rund 4.400 Sportlerinnen und Sportler – so viele wie nie zuvor – treten bis zum 5. September bei 539 Wettbewerben in 23 Sportarten um Gold-, Silber- und Bronzemedaillen an. Das mit etwa einem Viertel aller Teilnehmenden größte Starterfeld misst sich in den Leichtathletik-Disziplinen. Die mit 64 Athleten kleinste Gruppe ist die der Blindenfußballer, eine Sportart, die allerdings Männern vorbehalten ist.

Die Qualifikation für die Teilnahme an 18 Sportarten haben 58 Athletinnen und 76 Athleten aus Deutschland geschafft. Für 43 von ihnen ist es ein Paralympics-Debüt, und zu denen gehört auch Malte Braunschweig, einer von 10 Sportler:innen aus Berlin. Sein Nachname ist für alle ein Begriff, die sich fürs Schwimmen interessieren – vor allem aber für jene, die noch etwas genauer hingucken, wenn das Schlagwort Neukölln fällt. Einen Grund dafür gab es bereits bei den Olympischen Spielen, denn dort startete Maltes Bruder Ole, der ebenfalls der SG Neukölln angehört. Einige Wochen später wird nun der jüngere der beiden Braunschweigs im Tokyo Aquatics Centre für das Berliner Schwimmteam sein Glück versuchen: Am 29. August um 9:33 Uhr (Ortszeit) startet der 21-Jährige, der mit einer Fehlbildung des rechten Arms zur Welt kam, im zweiten von vier Vorläufen über die 50 Meter Freistil. Schon einen Tag später stehen dann die 100 Meter Rücken auf dem Programm, und geplant ist außerdem der Start über die 100 Meter Schmetterling am 2. September.

Mit seiner angeborenen Beeinträchtigung zählt Malte Braunschweig zur Minderheit der Menschen in Deutschland, die mit Behinderungen leben, denn nur 3 Prozent haben diese von Geburt an. „Wir hoffen, dass auch diese Spiele der paralympischen Bewegung noch mehr Schwung verleihen. Denn trotz aller positiver Entwicklung ist die Aufmerksamkeit für den Para-Sport längst keine Selbstverständlichkeit und wir müssen noch immer dafür kämpfen, dass unsere Athletinnen und Athleten die Wahrnehmung erhalten, die sie aufgrund ihrer Leistungen einfach verdienen – als Spitzensportler, Mutmacher und als Vorbilder für Menschen mit und ohne Behinderung“, betonte Friedhelm Julius Beucher, der Präsident des Deutschen Behindertensportverbands (DBS), vor der Abreise nach Tokio. Vor allem mit Blick auf den Para-Breitensport, also die Basis des Para-Leistungssports, käme ein positiver Paralympics-Effekt sehr gelegen: Der vor Corona mehr als 650.000 Mitglieder zählende DBS verlor durch lahm gelegte Vereine, Präventions- und Reha-Gruppen während der Pandemie rund 17 Prozent seiner Mitglieder. Um dem Abwärtstrend entgegenzuwirken und für den Behindertensport zu werben, landete der Verband schon vor Beginn der Wettkämpfe einen krachenden Coup: Die offizielle Hymne für die Trailer des Team Deutschland Paralympics kommt diesmal von  von der Band Rammstein und ihrem Song „Ich will“.

Steigende Mitgliederzahlen in vielen Behinderten-Sportvereinen waren als Nachhall der Paralympics bisher die Regel. Denn das Sportfest für Menschen mit Handicap erfreut sich seit 1988 zunehmender Popularität und boomte in den letzten drei Jahrzehnten nicht zuletzt dank verstärkter TV-Präsenz. Inzwischen gelten die Paralympics – nach den Olympischen Spielen und der Fußball-Weltmeisterschaft – als drittgrößtes Sport-Event der Welt. 

ARD und ZDF übertragen die Paralympics im TV im täglichen Wechsel. Die Hauptsendezeiten liegen zwischen 9.05 und 15 Uhr, dazu kommen einige Livestreams. Die heutige Eröffnungsfeier sendet ab 12:50 Uhr die ARD.

Bereits jetzt ist in der Sportschau-Mediathek ein sehenswertes Video veröffentlicht, das unter dem Titel „Mein Weg zu den Paralympics“ sechs Athlet:innen portraitiert:
https://tokio.sportschau.de/tokio2020/paralympics/videos_audios/Mein-Weg-zu-Paralympics,meinwegzudenparalympics100.html

=Gast=

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