In der High-Deck-Siedlung am Heidekampgraben sprechen jetzt die Bäume

Problemzone, Viertel der gescheiterten Integration und Filmkulisse der Clan-Serie „4 Blocks“: Für die High-Deck-Siedlung am südlichen Ende der Sonnenallee in Neukölln sind schon viele Etiketten vergeben worden. „Nicht alles ist immer schlecht in der High-Deck-Siedlung“, freute sich deshalb Quartiersmanagerin Ines Müller am Mittwoch vergangener Woche bei einem Pressetermin auf dem Naturlehrpfad des Heidekampgrabens. Sie setzt sich seit über zwei Jahrzehnten für die Verbesserung des Miteinanders im Viertel ein und muss dabei auch beständig gegen einseitige Negativzuschreibungen kämpfen.

Der Pfad, der unmittelbar hinter der Siedung zum Entdecken der Natur einlädt, wurde bereits 2002 angelegt und ist zweifellos ein wertvoller Aktivposten des Quartiers. Im Herbst 2011 gründeten einige Bewohnerinnen und Bewohner die Gruppe „Naturforscher 40 Plus“. Mit Unterstützung durch Dr. Friedrich-Karl Schembecker vom Freilandlabor Britz bestimmte die Gruppe 36 Baumarten in ihrem Wohnquartier und im angrenzenden Heidekampgraben. Die Naturforscher erstellten anschließend eine Baumkarte und fertigten Portraits der verschiedenen Baumarten an, die schließlich im Internet veröffentlicht wurden.

Neuerdings können 21 dieser Baumportraits auf dem Naturlehrpfad an Ort und Stelle als überarbeitete Audio-Datei abgerufen werden. Schembecker, der die freiwilligen Naturforscher wieder unterstützte, und Stadtentwicklungsstadtrat Jochen Biedermann führten beim Pressetermin vor, wie der QR-Code auf einer Tafel am Baum mit dem Handy eingescannt und anschließend angehört werden kann. Professionell erklärte bei dieser Vorführung die Stimme einer Schauspielerin: „Ich bin eine Colerado-Tanne. Meine langen Nadeln sind leicht nach oben gekrümmt und von beiden Seiten blaugrau. Ich heiße deshalb auch Grautanne.“ Schräg gegenüber las etwas später ein Schauspieler: „Ich bin ein gewöhnlicher Trompetenbaum. Ich wachse in Auen und an Flussufern und mag es, wenn es sehr sonnig ist. Frost hingegen finde ich nicht so toll.“ Beide liehen den 21 sprechenden Bäumen ihre Stimmen pro bono.

=Christian Kölling=

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