Ausstellung zeigt drei Generationen des antikolonialen Widerstands in Kamerun

„Die Ausstellung fand ich superinteressant. Und auch wenn ich schon viel über Kolonialismus wusste, habe ich jetzt hier speziell am Beispiel Kameruns viel Neues gelernt.“ Diese lobenden Worte fand eine junge Besucherin kurz nach Eröffnung der Wanderausstellung „Zwischen Petition und Rebellion – auf den Spuren des antikolonialen Widerstands in Kamerun“. Auch sonst bekam die Initiative Perspektivwechsel, ein Verein der transkulturellen Begegnung und politischen Bildung, für ihre Ausstellung, die im Oktober erstmals im FEZ-Berlin in Treptow-Köpenick gezeigt wurde, viel positives Feedback. Nun ist die interaktive Wanderausstellung in Neukölln angekommen, wo sie Jugendliche und junge Erwachsenen – ebenso wie alle anderen Interessierten – bis Ende September im Foyer der Helene-Nathan-Bibliothek besuchen können.

Wirtschaft, Bildung, Kultur und Sprache: Die Kolonialherrschaft, die Deutschland, Frankreich und Großbritannien zwischen 1884 und 1960 in Kamerun ausübten, bedeutete die gewaltsame Umstrukturierung quasi aller Lebensbereiche. König Rudolf Duala Manga Bell ist eine der bekanntesten Figuren des antikolonialen Widerstands in Kamerun. Zwischen ihm und den Kolonialverwaltern begann ab 1902 eine erbitterte Auseinandersetzung wegen einer rassistischen Umsiedlungspolitik, die auch im Deutschen Reichstag thematisiert wurde. Die zweite Geschichte des Widerstands ist im Nordwesten Kameruns angesiedelt, wo während der Anlu-Rebellion zwischen 1958 und 1961 tausende Frauen gemeinsam gegen neue Landwirtschaftsgesetze der britischen Kolonialmacht sowie gegen die Verdrängung ihrer traditionellen Lebensweise protestierten. In der dritten Geschichte wird die dekoloniale Arbeit des Aktivisten André Blaise Essama portraitiert, der seit 2013 bis heute für die Abschaffung von Statuen und Straßennamen ehemaliger französischer Kolonialherren kämpft.

Grundlage der Ausstellung „Zwischen Petition und Rebellion“ ist Material aus dem Comic „Widerstand“, dessen zweite Auflage gerade erschienen ist. Die Jugendlichen Acha und Kenjo begleiten in der Bildergeschichte die drei Epochen des Widerstands, den Großeltern, Eltern und Kinder in Kamerun führten beziehungsweise weiterhin führen. Die beiden Protagonisten kommentieren die erzählten Ereignisse aus ihrer Perspektive und diskutieren ihre Auswirkungen auf die Gegenwart. Der Comic kann in der Helene-Nathan-Bibliothek ausgeliehen werden.

=Christian Kölling=

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