Denkmal am Anton-Schmaus-Haus erinnert an Utøya

Am Nachmittag des 22. Juli 2011 explodierte im Zentrum von Oslo eine 950-Kilogramm-Autobombe, die acht Todesopfer forderte. Der Attentäter, ein norwegischer Rechtsextremist, fuhr anschließend als Polizist verkleidet auf die weniger als 50 Kilometer entfernte Insel Utøya, wo die Jugendorganisation der sozialdemokratischen Partei Norwegens AUF ihr jährliches Sommercamp mit 560 Teilnehmern abhielt. Dort erschoss der Täter bei einem fast anderthalb Stunden dauernden Amoklauf 69 Menschen im Alter zwischen 14 und 51 Jahren. 32 von ihnen waren noch minderjährig.

Die Brutalität und Grausamkeit des Massakers beschäftigt die norwegische Gesellschaft noch heute. Unmittelbar nach dem Terrorakt drückten auch in Berlin viele Menschen ihre Trauer aus, indem sie Blumen vor der norwegischen Botschaft niederlegten. Dem Gedenken, das seitdem einmal jährlich in der Botschaft der Nordischen Staaten im Tiergarten stattfindet, schlossen sich die Jusos in der SPD und Die Falken umgehend an: „Als Zeichen unserer internationalen Solidarität im Kampf gegen rechten Terror haben die SJD – Die Falken und die Jusos in der SPD den Entschluss gefasst, ein Denkmal in Berlin zu errichten, dass an die Ermordeten der Terroranschläge in Oslo und auf Utøya erinnert und ihre Namen nennt“, erklärten die beiden Organisationen. Dieses Denkmal wurde am Donnerstagnachmittag – genau zehn Jahre nach den Morden in Oslo und Utøya – auf dem Gelände des Anton-Schmaus-Hauses in Britz feierlich eingeweiht.

„Allein in Deutschland wurden 2011 täglich zwei bis drei rechtsextremistische Straftaten verübt“, rief Mirjam Blumenthal von den Neuköllner Falken zu Beginn des Festaktes in Erinnerung. Zwei Brandanschläge im Mai und November, bei denen nur aufgrund glücklicher Zufälle kein Menschenleben gefährdet wurde, trafen damals auch das Anton-Schmaus-Haus der Falken.

Ferike Thom, stellvertretende Bundesvorsitzende der Jusos, ging auf Tatmotive und Hintergründe des Rechtsterrorismus ein: „Fast alle rechtsterroristischen Attentäter des letzten Jahrzehnts beziehen sich auf den Täter von Utøya.“ Er habe seine Tat zwar allein begangen, sei aber Teil von globalen Netzwerken. „Aus solchen Netzwerken stammen auch die Täter von Toronto, Christchurch oder von Halle. Und nicht zufällig gedenken wir heute auch den Opfern von München“, sagte Thom zu Terrorangriffe, die am 22. Juli 2016 in Bayern sowie in den Jahren 2019 in Neuseeland und Deutschland und 2021 in Kanada verübt wurden.

„Ich kämpfe bis heute gegen die Bildern an, die sich in meinem Kopf eingebrannt haben. Ich habe an diesem Tag nicht nur Kameraden verloren. Ich habe Freunde verloren. Ich habe mein altes Leben verloren, in das ich mich nur mühsam wieder zurückgekämpft habe“, berichtete eine Überlebende über die Folgen des Terroranschlag. Zum Abschluss der Trauerstunde, die im Youtube-Kanal der Jusos übertragen wurde, legten die Anwesenden, zu denen auch Bezirksbürgermeister Martin Hikel gehörte, rote Nelken an der Gedenkstele nieder.

=Christian Kölling=