Neben Pop-Up-Impfungen bietet Neukölln auch aufsuchende Impfangebote

Eine lange Warteschlange ringelte sich am Freitagmorgen vom Rixdorfer Tanzpaar mitten auf dem Hermannplatz bis in die südwestliche Ecke der Mittelinsel an der Hasenheide. „Die ersten Impfwilligen warten seit 8 Uhr 30. Schon an normalen Markttagen haben wir hier ein Platzproblem“, begrüßte mich Hannes Rehfeldt, Sprecher von Gesundheitsstadtrat Falko Liecke, beim Auftakt der ersten Neuköllner Pop-Up-Impfaktion kurz nach 10 Uhr. Sein Chef gab derweil Interviews im Minutentakt. „Das ist eigentlich kein Pressetermin. Ich habe nicht damit gerechnet, dass so viele Menschen kommen. Wir haben bei den Vorbereitungen sogar überlegt, ob wir auf den U-Bahnhof runter gehen, um für die Impfaktion zu werben, sofern nach ein, zwei Stunden niemand mehr kommt“, sagte mir der Gesundheitsstadtrat und betonte: „Jede Impfung ist eine gute Impfung, daher ist dieses Angebot eine gute Ergänzung.“

Darüber hinaus seien aber gerade in Bezirken wie Neukölln sozialkompensatorische und subsidiäre Angebote des Gesundheitsamtes dringend notwendig, erklärte Liecke weiter. „Ab dem 26. Juli impft das Gesundheitsamt Neukölln daher als erster und einziger Berliner Bezirk mit eigenem Impfstoff und wird bei Bedarf auch ein aufsuchendes Angebote zur Verfügung stellen“, kündigte er schließlich an. Das Gesundheitsamt könne im Rahmen der regulären Patienten- und Bürgerkontakte in den Dienststellen am besten aufklären, beraten und eine Impfung anbieten.

Die Impfaktion auf dem Hermannplatz, die am Freitag in Kooperation mit der Senatsverwaltung für Gesundheit, Pflege und Gleichstellung stattfand, richtete sich dagegen ganz allgemein an alle Einwohner. Anders als bei den bereits erfolgten Schwerpunktimpfungen in der High-Deck-Siedlung und im Gebiet rund um die Treptower Straße konnten alle Volljährigen das Angebot unabhängig von ihrem Wohnort wahrnehmen. „Das Gesundheitsamt und das gesamte Bezirksamt Neukölln tun alles, um Corona zu bekämpfen. Mit diesem Angebot holen wir eine weitere Impfmöglichkeit nach Neukölln. Nirgendwo sei es einfacher, sich gegen die Pandemie zu schützen, so Liecke.

„Ab hier nicht mehr anstellen!“, forderte auf dem Wochenmarkt bald ein improvisierter Aushang auf, nachdem gegen 11 Uhr eilig einige Drängelgitter rund um die Impfstelle aufgestellt worden waren. Sie schirmten das Impfmobil ab sowie drei Marktstände, in denen die Anmeldung sowie der Ruhebereich zur Erholung für die Zeit nach der Spritze untergebracht waren. Es mag viele Gründe geben, warum die Wartenden an diesem sonnigen Tag auf dem Hermannplatz standen, statt sich über das Internet rasch einen freien Termin in einem der Berliner Impfzentren zu besorgen. Erst gestern wurde das Zentrum im ehemaligen Flughafen Tempelhof geschlossen. „Fehlende Nachfrage und zu hohe Kosten“ seien dafür verantwortlich, lautete die offizielle Begründung.

Am Freitag wurden bis 17 Uhr auf dem Hermannplatz 145 Menschen mit dem Vakzin von Moderna (55 Dosen) beziehungsweise Johnson & Johnson (90 Dosen) geimpft. Die Zweitimpfung mit Moderna wird im Gesundheitsamt Neukölln in der Blaschkoallee folgen. Bei einer Impfung mit Johnson & Johnson ist kein zweiter Impftermin erforderlich. Wegen der großen Nachfrage gibt es am kommenden Freitag in Neukölln wieder ein kostenloses Impfangebot für alle. Diesmal findet die Aktion allerdings vor dem Rathaus statt. Dort ist ausreichend Platz, sodass mehr Impfungen möglich sind.

Aktuell haben in ganz Berlin 46,3 Prozent aller Personen, die geimpft werden können, einen vollständigen Impfschutz erhalten; um Bevölkerungsimmunität herzustellen muss diese Quote bei schätzungsweise 80 Prozent liegen. Das Robert-Koch-Institut veröffentlicht seit kurzem ein bundesweites Monitoring, das werktäglich aktualisiert wird.

Allen, die sich selbst gründlich über das Thema Impfen informieren wollen, empfiehlt der Neuköllner Amtsarzt Dr. Nicolai Savaskan die Broschüre „Das Impfbuch für alle“.

=Christian Kölling=

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