„Die Schließung der Rixdorfer Schnalle kann nur ein Anfang sein“

„Zufahrt Karl-Marx-Platz für KfZ gesperrt“, warnt ein Schild an der Sonnenallee/Hertzbergstraße seit knapp zwei Wochen. Es weist darauf hin, dass ein beliebter Schleichweg zur Karl-Marx-Straße nun endgültig geschlossen ist. An gleicher Stelle hatte eine große blaue Tafel zuvor rund zwei Jahrzehnte lang an die Autofahrerinnen und Autofahrer appelliert, nicht durch den historischen Rixdorfer Dorfkern zu fahren.

Geschwindigkeitsbegrenzungen auf 10 bzw. 20 Stundenkilometer sowie Straßenaufplasterungen in Form sogenannter Rixdorfer Kissen sollten die Abkürzung zusätzlich unattraktiv machen. Vergeblich. Rund 4.000 bis 5.000 Autos drängelten sich zuletzt täglich im denkmalgeschützten Kiez rund um die alte Schmiede und verursachten lange Staus im gesamten Wohngebiet. Das Bezirksamt Neukölln schuf deshalb am 7. Mai vollendete Tatsachen: Es sperrte die „Rixdorfer Schnalle“ zwischen Richard- und Karl-Marx-Platz mit einem Poller für den motorisierten Durchgangsverkehr. Nur noch die Navigationssysteme zur Erleichterung des KfZ-Verkehrs müssen jetzt ihre Informationen entsprechend aktualisieren, damit niemand mehr in die Irre geführt wird.

„Die Schließung der Schnalle ist ein Beitrag zu mehr Verkehrsberuhigung und damit mehr Sicherheit. Sie ergänzt die zahlreichen Maßnahmen, die wir mit den Anwohnenden für mehr Lebensqualität in Rixdorf entwickelt und bereits umgesetzt haben“, erklärte Bezirksbürgermeister Martin Hikel (SPD), der am Freitag vorletzter Woche einen rot-weiß lackierten Poller in die Fahrbahn einließ. Auch Stadtentwicklungsstadtrat Jochen Biedermann (Grüne), die Landesparlamentarier Derya Çaglar (SPD) und Georg Kössler (Grüne) sowie die Bezirksverordneten Marina Reichenbach (SPD) und Bernd Szczepanski, der von mehrere Verordneten der Grünen-Fraktion begleitet wurden, waren zum Ortstermin gekommen. Insbesondere die Grünen setzen sich im Bezirksparlament immer wieder für verkehrsberuhigende Maßnahmen ein. Zuletzt brachte ihr Co-Fraktionsvorsitzender Szczepanski im September 2020 einen – inzwischen hinfälligen – Antrag (Drucksache 1960/XX) in die BVV ein, in dem er die Schließung der Schnalle erneut angeregte. Das Bezirksamt hatte zu diesem Zeitpunkt gerade damit begonnen, seine in einem langen Verfahren mit der Bürgerschaft besprochenen Pläne für die Verkehrsberuhigung am Richardplatz umzusetzen.

In kleinen Gruppen unterhielten sich Kommunalpolitiker, Anwohner, Verwaltungsmitarbeiter und Neugierige auf der gerade beruhigten Straße, die direkt vorm Eingang des großen Spielplatzes am Comenius Garten liegt. „Wir werden nun genau beobachten, ob sich die Situation verbessert. Parallel prüfen wir weitere Maßnahmen“, versprach Bezirksbürgermeister Hikel nicht zuletzt den Aktiven der Initiative Mehr Kiez für Rixdorf, die ebenfalls gekommen waren. 17 Geschäfte, Kitas und andere Einrichtungen begrüßen die Schließung der Schnalle ebenso wie Marktplaner Nikolaus Fink, der den Wochenmarkt auf dem Karl-Marx-Platz betreibt. „Ja, wir freuen uns über die Sperrung der Schnalle – schließlich fordert Mehr Kiez für Rixdorf dies bereits seit 2016“, erklärte Lena Osswald im Namen der Initiative. „Eine einzelne Maßnahme macht aber noch keinen Kiezblock. Wir brauchen die Umsetzung eines integrierten Konzepts – und zwar heute statt morgen!“, schränkte sie allerdings ein. Nick Thomas vom Arbeitskreis Kiezblock an der Richard-Grundschule bekräftigte: „Diese punktuelle Veränderung der Verkehrssituation kann nur ein Anfang sein. Wahrscheinlich werden nun Alternativrouten genutzt, die weiterhin durch den Kiez führen.” Ein Kiezblock-Konzept für das Wohngebiet, das mit drei zentralen Maßnahmen bereits im Sommer umgesetzt werden könne, hatte die Initiative im März bei einer Ortsbegehung vorgestellt.

Zweites Thema der spontan entstandenen Gesprächsgruppen war die Frage, wie lange es dauern würde, bis der schmale Sperrpfosten einfach umgefahren oder gestohlen werden würde. Keine Woche später, am vergangenen Donnerstag, war es dann geschehen. Marina Reichenbach bemerkte, dass der Poller verschwunden war, benachrichtigte daraufhin via Twitter mögliche Unterstützer und machten sich anschließend auf die Suche. Hinter dem Zaun des Spielplatzes wurde das gute Stück schließlich im Gebüsch gefunden und provisorisch wieder eingesetzt. Unterdessen war auch Bügermeister Hikel alarmiert worden, der umgehend eine Straßenbaufirma damit beauftragte, einen neuen Sperrpfosten zu bringen. Da der alte Poller beschädigt war, musste er ersetzt und zur Reparatur in die Werkstatt gebracht werden. Sollte die Sperre an der Schnalle bald wieder Schaden nehmen, wird man sie durch eine robustere Anlage ersetzen müssen. In anderen Städten wurden bereits gute Erfahrungen mit massiven Pollern gemacht, die im Notfall automatisch im Boden versenkt werden können, sofern Feuerwehr oder Rettungswagen dringend passieren müssen.

=Christian Kölling=

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