Campus für die Nachbarschaft bringt Natur und Kultur der Weißen Siedlung nahe

1,2 Hektar misst das Gelände des alten Schulgartens der Carl-Legien-Schule am Dammweg. Eine kleine grüne Oase unmittelbar am Rand der Weißen Siedlung, in der rund 4.500 Bewohner leben. „Wir wollen die Fläche für die Nachbarn öffnen. Es gibt derzeit eine hohe Belegung der Wohnungen, insbesondere mit kinderreichen Familien. Das kann sich aber in Zukunft ändern und es ist schwer vorauszusagen, wie sich die Bevölkerung in 15 Jahren zusammensetzen wird“, sagte mir Dr. Sabine Kroner, die ich am Dienstag vergangener Woche traf. Kroner leitet das Projektbüro Berlin Mondiale beim Kulturnetzwerk Neukölln e. V. und ist mit der Zwischennutzung des Geländes betraut.

„Am 6. Januar haben wir die Schlüssel bekommen. Unser Vertrag ist zunächst bis Ende des Jahres befristet“, berichtete die Kulturmanagerin beim Rundgang durch den großen Garten. „Die lange verschlossene Brachfläche soll nun gemeinsam mit lokalen Initiativen sowie mit Nachbarinnen und Nachbarn erforscht und langsam genutzt werden“, beschrieb sie ihren Auftrag. Im Zentrum der Anlage steht ein von Bruno Taut entworfener Pavillon aus den 1920er Jahren, der 2011 denkmalgerecht übergeben wurde. Zum Areal gehört ferner eine Streuobstwiese. Ihr gegenüber erinnert eine alte Weinpresse an die lange, aber oft ignorierte Tradition des Weinbaus in Neukölln. Hinter der Weinlaube liegen der lindgrüne Ergänzungsbau der Sonnen-Grundschule und eine seit kurzem als Pausenhof genutzte Wiese, auf der früher die Weinstöcke des Schulgartens standen. In Richtung Nernstweg wurde bereits ein zweiter Zugang zum Garten geschaffen, um die Anbindung an die Weiße Siedlung zu verbessern.

Die Mitarbeiter der Mondiale Berlin brachten gemeinsam mit Engagierten seit Januar nicht nur den verwunschenen und zugewucherten Garten behutsam in Schuss, sondern renovierten auch zwei große Gewächshäuser auf dem Gelände. Eine glasgedeckte Halle wurde mit Rollrasen als Kunstraum gestaltet. Das zweite Gewächshaus wird konventionell genutzt. „Wir verkaufen zwar keine Pflanzen, aber etwas Asiasalat, kann ich Ihnen zum Mitnehmen anbieten“, verabschiedete mich Sabine Kroner am Ende des Rundgangs. Einige Kita-Gruppen besuchten das Gelände bereits für Naturerkundungen, und verschiedene selbstorganisierte Gruppen nutzen es, um zu gärtnern oder um sich in Kulturprojekten auszuprobieren. Darüber hinaus kooperiert das Projekt der Berlin Mondiale mit der Sonnen-Grundschule und dem Quartiersmanagement. Jeden Sonntag steht die Tür des Nachbarschaftscampus am Dammweg 216 zwischen 11 und 17 Uhr für Neugierige offen.

Und wie geht mit dem Gelände weiter? In die Aufmerksamkeit der Kommunalpolitik geriet der alte Schulgarten, der seit rund vier Jahren verwaist ist, bereits im Herbst 2019 als Schulstadrätin Karin Korte ankündigte, dass auf dem Gelände Schul- und Sportgebäude errichtet werden sollten. Der Taut-Pavillon müsse allein aus Gründen des Denkmalschutzes erhalten bleiben und solle für kulturelle Zwecke genutzt, kündigte Korte schon damals an. Eine Initiative der CDU-Fraktion, die den alten Schulgarten der Carl-Legien-Schule im Gegensatz dazu unter Denkmalschutz stellen wollte, scheiterte wiederholt in der Bezirksverordnetenversammlung (Drucksache 1176/XX). Inzwischen sind die Pläne des Bezirksamtes zur Bebauung der Fläche am Dammweg konkretisiert worden und wurden auf der letzten Sitzung des Ausschusses für Stadtentwicklung im April unter dem Tagesordnungspunkt 7 „Integrierte Infrastrukturanalyse Weiße Siedlung“ vorgestellt und diskutiert. Im Ausschuss für Bildung, Schule und Kultur wurde der Nachbarschaftscampus Anfang Mai präsentiert.

=Christian Kölling=