„Wir werden so lange auf die Straße gehen, bis der Mörder von Burak hinter Gittern ist“

aufklaeren_gedenkenEin unaufgeklärter Mord in Neukölln gibt nach wie vor Rätsel auf: In der Nacht zum 5. April 2012 schoss ein Unbekannter aus nächster Nähe auf eine Gruppe Jugendlicher, die sich schräg gegenüber vom Krankenhaus Neukölln unterhielten. Der 22-jährige Burak Bektaş wurde dabei getötet, seine Freunde Jamal A. und Alex A. lebensgefährlich verletzt. Der Täter, ein weißer älterer Mann, entfernte sich ruhig vom Tatort und verschwand im angrenzenden Wohngebiet. Es gab zwischen den Jugendlichen und dem Täter keinen Wortwechsel. Sie standen in keiner Beziehung zueinander. Ein persönliches Motiv kann ausgeschlossen werden. Die Tat erinnerte an eine Hinrichtung.

„War Rassismus das Motiv? Handelt es sich um eine Nachahmungstat der rassistischen Mordserie des NSU, die nur wenige Monate vor dem gespenstischen Mordüberfall in Neukölln bekannt wurde?“ Die Initiative für die Aufklärung des Mordes an Burak Bektaş setzt sich seit langem beharrlich für die Aufklärung des Verbrechens ein und fällt ein verstörendes Urteil über die Arbeit von Polizei, Staatsanwaltschaft und Sicherheitsbehörden: „Wir haben begründete Zweifel an der Ernsthaftigkeit der bisherigen Ermittlungsarbeit.“

gedenkort_bektasAm Ostermontag trafen sich zum 9. Jahrestag des unaufgeklärten Mordes die Familie, Freunde und ihre Unterstützer, um vom U-Bahnhof Johannisthaler Chaussee bis zum Gedenkort für Burak Bektaş an der Rudower Straße/Möwenweg zu ziehen, wo die rund 200 Personen zählende Demonstration mit einer Schweigeminute für den Ermordeten endete. „Mordkommission und Politik haben versagt. Wir werden so lange auf die Straße gehen, bis der Mörder von Burak hinter Gittern ist!“, bekräftige Murat, ein Cousin des Getöteten, auf der Abschlusskundgebung.

Zuvor war während der Gedenkdemonstration in zahlreichen Reden massive Kritik an den Sicherheitsbehörden geäußert worden. Immer wieder wurde auch die Einrichtung eines parlamentarischen Untersuchungsausschusses im Berliner Abgeordnetenhaus gefordert . Er soll untersuchen, ob es Mängel in der Arbeit der Sicherheits- und Strafverfolgungsbehörden bei der Aufklärung rechtsextremer Straftaten gibt. Schon im November 2019 wurde eine entsprechende Petition mit über 25.000 Unterschriften beim Abgeordnetenhaus eingereicht.

Die Forderung nach der Einrichtung eines solchen unabhängigen Untersuchungsausschusses ist inzwischen in die Wahlprogramme von Linken und Grünen zur Abgeordnetenhauswahl im Herbst eingegangen. Auch die SPD-Neukölln fordert die Einsetzung eines parlamentarischen Untersuchungsausschusses und will Ende April einen entsprechenden Antrag auf dem SPD-Landesparteitag einbringen.

=Christian Kölling=