Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus auch in Neukölln

Mit einer Kranzniederlegung und Schweigeminute auf dem Gelände des ehemaligen Zwangsarbeiterlagers an der Hermannstraße erinnerten Bezirksbürgermeister Martin Hikel, Stadträte, Vorsitzende von BVV-Fraktionen sowie Dr. Christian Nottmeier, der Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Neukölln, gestern an die Opfer des Nationalsozialismus. Auf dem Gelände des Friedhofs Jerusalem V befand sich von 1942 bis 1945 ein von Berliner Kirchengemeinden betriebenes Lager mit rund 100 Zwangsarbeitern. Vor rund zwei Jahrzehnten untersuchten die damals beteiligten Kirchengemeinden die Vorkommnisse erstmals und ließen Teile des ehemaligen Lagers freilegen. Im Jahr 2002 wurde ein Gedenkstein am Ort des ehemaligen Lagers aufgestellt.

Wo wir heute jeden Tag zwischen Tempelhofer Feld und Hermannstraße vorbeilaufen, stand einst ein Zwangsarbeiterlager. Mitten in Neukölln. Mitten unter uns. Der Gedenkstein wie auch die mittlerweile 224 Stolpersteine in Neukölln mahnen uns, heute und jeden Tag: Dass Auschwitz nicht noch einmal sei“, sagte Hikel während der Gedenkveranstaltung. Stunden später griff er das Thema am in einer Rede vor der Bezirksverordnetenversammlung noch einmal auf.

An den 76. Jahrestag der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz erinnerte auch die Anwohnerinitiative Hufeisern gegen Rechts mit einem dreiminütigen Film, der zwischen 9 und 16 Uhr auf dem Platz vor der Hufeisentreppe in einer Dauerschleife lief. Die Initiative rief in Erinnerung, dass nach Aussage des KZ-Kommandanten von Auschwitz, Rudolf Höß, 1.135 Millionen Menschen im Vernichtungslager ermordet wurden. Davon circa 1 Million Jüdinnen und Juden. Darüber hinaus kamen mindestens 70.000 Polen, 21.000 Roma, 14.000 sowjetische Kriegsgefangene sowie 10.000 Tschechen, Belarussen und andere Opfer ums Leben. Lediglich 7500 lebensbedrohlich unterernährte Häftlinge waren noch am 27. Januar 1945 auf dem Lagergelände.

Das Bezirksamt Neukölln hat zum diesjährigen Gedenktag eine neue Seite zu den Stolpersteinen in Neukölln auf seiner Homepage veröffentlicht, die auch auf die Karte mit den 224 Steinen im Bezirk verweist.

=Christian Kölling=