Neukölln hat viel zu hohe Fallzahlen, ist aber längst kein Corona-Hotspot mehr

„Wir haben vor allem noch keine Entlastung in den Krankenhäusern. Die Situation in der Intensivpflege ist extrem angespannt. Es liegen noch einmal drei wirklich harte Wochen vor uns. Das muss man in aller Deutlichkeit sagen.“ Eindringlich appellierte der Regierende Bürgermeister Michael Müller am Mittwoch auf einer Pressekonferenz an die Vernunft aller Berliner und forderte sie auf, alles zu tun, um direkte persönliche Kontakte möglichst zu vermeiden und die Regeln des Lockdowns ernstzunehmen. Mit Blick auf die Zeit seit März 2020 betonte er andererseits aber ebenso: „Wir haben jedoch etwas erreicht. Wir haben Menschen und ihre Gesundheit schützen können.“ Müller bat, diese Erfolge nicht durch unbesonnenes Verhalten zu gefährden.

In Neukölln geriet Gesundheitsstadtrat Falko Liecke rund um den Jahreswechsel in die Kritik, weil er Kolleginnen und Kollegen im Gesundheitsamt zugestand, die Feiertage bei ihren Familien zu verbringen. „Zwar war zu jeder Zeit eine Rufbereitschaft eingesetzt, aber am 25. und 26. Dezember sowie am 1. Januar wurden die Infektionszahlen erst später gemeldet. An weiteren Tagen wurden die vom Gesundheitsamt gemeldeten Zahlen nicht in den Berliner Lagebericht aufgenommen, da die Freigabe der Daten fehlte“, räumte Liecke ein. Umgehend wurde in sozialen Medien bezweifelt, ob der Corona-Hotspot Neukölln sich eine Meldepause leisten könne.

„Das Image als Hotspot stammt vermutlich aus dem Oktober, als die bundesweite Entwicklung steigender Fallzahlen in Neukölln früher sichtbar wurde. Seitdem ergibt sich weder im Landes- noch im Bundesvergleich eine erheblich erhöhte Fallzahl in Neukölln“, versicherte mir Liecke am Freitag. Der Regierende Bürgermeister sowie die Senatoren Ramona Pop und Klaus Lederer äußerten auf ihrer Pressekonferenz am Mittwoch die Hoffnung, dass die Zahlen des Robert-Koch-Instituts ungefähr ab 17. Januar wieder bundesweit ohne Einschränkungen vergleichbar sein dürften. Mitte Januar sei auch zu erkennen, welche Auswirkungen die Lockdown-Lockerungen während der Feiertage auf die Entwicklung der Infektionszahlen hatten. Die nächste Senatssitzung zur Corona-Pandemie ist für den 19. Januar angesetzt; die nächste Video-Schalte der Ministerpräsidenten mit der Bundeskanzlerin am 25. Januar.

Damit die Berliner Corona-Ampel bei der Auslastung der Intensivbetten wieder Grün zeigt, müsste der Wert unter 15 Prozent sinken. Aktuell liegt er bei 34,6 Prozent. Bei mehr als 30 Neuinfektionen pro Woche je 100.000 Einwohner springt ein weiterer Indikator der Berliner Corona-Ampel auf Rot. Augenblicklich liegt dieser Wert der 7-Tage-Inzidenz bei 139,6 in der Stadt.

=Christian Kölling=