Obdachlosigkeit und häusliche Gewalt: „Weihnachten ist eh eine schwierige Zeit“

Evas Obdach in der Neuköllner Fuldastraße ist eine ganzjährige Notübernachtung nur für Frauen. Die Besucherinnen finden in der Einrichtung neben einem sicheren Schlafplatz die Möglichkeit ihre Wäsche zu waschen, sich zu duschen und sich mit Essen zu versorgen. Infolge der Corona-Pandemie musste Evas Obdach die Zahl der Schlafplätze fast um die Hälfte auf 17 Plätze reduzieren, damit die Abstands- und Hygiene-Regeln eingehalten werden können. Andererseits kann die Notübernachtung an Werktagen coronabedingt bereits um 17 Uhr öffnen und muss am folgenden Tag erst um 11 Uhr schließen. Am Wochenende bleiben die Öffnungszeiten zwischen 19 und 9 Uhr unverändert.

„Die obdachlosen Frauen müssen sich jetzt anders organisieren. Viele Plätze, wo die Frauen sich für gewöhnlich aufhalten – zum Beispiel Bibliotheken – sind augenblicklich nicht zugänglich und können deshalb nicht genutzt werden“, sagte mir in der vergangenen Woche Natalie Kulik, Leiterin von Evas Obdach. Weil Einrichtungen mit frei zugänglichen Sanitäranlagen geschlossen sind, würden tagsüber bereits der Gang zur Toilette und das Händewaschen für obdachlose Menschen zum Problem. Der AK Wohnungsnot habe deshalb die unkonventionelle „Aktion Hygiene-Punkt“ ins Leben gerufen: Mit einem Aufkleber, der gut sichtbar an Tür oder Fenster angebracht werden kann, können hilfsbereite Apotheken, Praxen, Buchläden, Büros und andere Betriebe signalisieren, dass sie wohnungslosen Menschen ihre Sanitäranlagen kostenfrei für kleinere Hygienemaßnahmen zur Verfügung stellen.

Elke Ihrlich (r.), Bereichsleitung der Offenen Sozialarbeit des Sozialdienstes katholischer Frauen (SkF), zu der Evas Obdach gehört, berichtete beim Gespräch in ihrem Büro, wie mit der Zunahme häuslicher Gewalt während des ersten Lockdowns im März vermehrt Schwangere und Mütter mit Kindern nach einer Notunterkunft, einer Frauenzufluchtswohnung oder einem Platz im Frauenhaus suchten. „Weihnachten ist eh eine schwierige Zeit“, sagte Ihrlich und wies daraufhin, dass bereits in normalen Zeiten an den Feiertagen ein ganz hohes Konfliktpotenzial bestehe. „Die Existenzängste sind gestiegen und in vielen Familien gibt es einen Grundstress wegen der Veränderungen“, warnte sie vor zusätzlichem Konfliktstoff in familiären Beziehungen. „Häusliche Gewalt passiert in allen Schichten. Auch Menschen, die vorher selbst gar nicht damit gerechnet haben, können gewalttätig werden“, mahnte Ihrlich. „In Konfliktsituationen ist es manchmal besser, eine Runde um den Block zu gehen. Auch intakte Nachbarschaften können eine Unterstützung sein, um häusliche Gewalt zu vermeiden“, fügte sie hinzu. Neben zahlreichen Beratungsangeboten, die es gibt, bietet der Sozialdienst katholischer Frauen speziell für Neukölln eine Beratung unter der Telefonnummer 030 – 622 22 60 an.

Wer wissen möchte, wie obdachlosen Frauen geholfen werden kann – z.B.mit einer Beteiligung an der „Aktion Hygiene-Punkt “- kann sich telefonisch oder per Mail an Natalie Kulik von Evas Obdach in der Fuldastr. 9 wenden: Mobil: 0151 146 48 758 / Telefon: 030 – 477 532 670 / evasobdach@skf-berlin.de

=Christian Kölling=