CDU-Bezirksstadträte boykottierten Gedenkveranstaltung vor dem Rathaus Neukölln

Zum Gedenken an die Opfer islamistischer Anschläge in Frankreich und Dresden versammelten sich gestern Nachmittag Vertreter der Neuköllner Zivilgesellschaft vor dem Rathaus Neukölln. Sie hielten eine kurze Kundgebung mit Schweigeminute ab und legten Rosen am Bezirkswappen nieder. „Wir Neuköllner halten zusammen, gegen Hetze und Gewalt. Egal ob gläubig oder nicht, egal welche Hautfarbe, welche Sprache. Im Kampf gegen Terrorismus stehen wir zusammen“, sagte Bezirksbürgermeister Martin Hikel in seiner nur wenige Minuten dauernden Ansprache und unterstrich: „Wir sind unterschiedlich und können miteinander streiten, wir haben nicht immer dieselbe Meinung zu vielen Themen. Aber in einem sind wir uns absolut einig: Wir stellen uns gegen jede Form der Gewalt. Zusammen, für das Recht auf Meinungsfreiheit, für das Recht auf Religion, für das Recht zu Streiten gegen Terror, gegen Hetze und gegen Hass.“

Neben den Bezirksstadträten Karin Korte (SPD) und Jochen Biedermann (Grüne) nahmen Imam Taha Sabri von der Neuköllner Begegnungsstätte (NBS), Superintendent Dr. Christian Nottmeier vom Evangelischen Kirchenkreis Neukölln, Lissy Eichert vom Pastoralteam Nord-Neukölln der katholischen Kirche, Nader Khalil, der Leiter des deutsch-arabischen Zentrums (DAZ), sowie zahlreiche Bezirksverordnete von SPD und Grünen an der Trauerkundgebung teil. Die Bezirksstadträte Falko Liecke und Bernward Eberenz (beide CDU) blieben der kurzen Gedenkveranstaltung dagegen demonstrativ fern.

„Als Vertreter des Islam wurde Taha Sabri, der Imam der NBS.ev – Dar Assalam Moschee, eingeladen. Jener Moscheegemeinde, die fortgesetzt vom Verfassungsschutz beobachtet wird. Jener Moscheegemeinde, die dem legalistischen Islamismus zugerechnet wird und die wohl Verbindungen zu den islamistischen Moslembrüdern hat“, stellte Liecke auf der Webseite der CDU Neukölln klar. „Ich lasse mich nicht instrumentalisieren. Nicht von diesen Extremisten und von keinen anderen. Ein ehrliches Gedenken an die Opfer der brutalen Gewalttaten sieht anders aus. Mein Stadtratskollege Bernward Eberenz wird ebenfalls nicht teilnehmen“, erklärte Liecke auf seiner Facebook-Seite weiter. Auch das Junge Forum, eine Plattform für Mitglieder der Deutsch-Israelischen Gesellschaft im Alter zwischen 14 und 35 Jahren, kritisierte bei Twitter Sabris Teilnahme an der Gedenkveranstaltung scharf.

=Christian Kölling=