Trauerfeier für Michael Anker am Richardplatz

Sozialist, Kommunalpolitiker, alleinerziehender Vater, Fotograf und überzeugter Rixdorfer: Michael Anker, Jahrgang 1957, war in vieler Hinsicht sein Leben lang in Neukölln verwurzelt. Bei einer Trauerfeier auf dem Hof von Kutschen Schöne wurde gestern Mittag am offenen Sarg endgültig Abschied von Michael Anker genommen, der am 13. Oktober seiner zweiten Krebserkrankung erlag. Tochter und Ehefrau, Partei- und Fraktionsmitglieder der Neuköllner Linken sowie Freunde und politische Weggefährten gemeinsam mit Politikern anderer Parteien – unter ihnen auch der frühere Bezirksbürgermeister Bodo Manegold sowie Bezirksstadtrat Jochen Biedermann – nahmen daran teil.

Anker, der seit den Tagen des Kampfes gegen den Vietnamkrieg politisch aktiv war, verbrachte Kindheit, Schule, Berufsausbildung und einen großen Teil seines Arbeitslebens in Neukölln. In den 1970er Jahren arbeitete er nach seiner Ausbildung zunächst als Westberliner bei der S-Bahn, die damals von der Deutschen Reichsbahn der DDR betrieben wurde. Er engagierte sich bei einem Arbeitskampf gegen den Personalabbau der S-Bahn in der Streikleitung, woraufhin er zunächst seine Arbeit und anschließend den Rückhalt seiner Genossinnen und Genossen verlor.

Im Jahr 1990 beteiligte sich Michael Anker an der Gründung des Bezirksverbands der PDS in Neukölln und war Mitglied des Vorstands. Er arbeitete zwischen 1999 und 2006 als Bezirksverordneter für die PDS und vertrat die Partei später als Bürgerdeputierter im Neuköllner Kommunalparlament. Seine politische Tätigkeit ist eng mit der Geschichte der Linken Neukölln verbunden. Der Landesschiedskommission der Berliner Landespartei Die Linke gehörte er wiederholt als Mitglied an.

Anker war Mitbegründer des Mietenbündnisses Neukölln und damit einer der Ersten, die schließlich erfolgreich für die Einrichtung von Milieuschutzgebieten im Norden Neuköllns kämpften. Im Quartiersrat Richardkiez Süd wirkte er von Anfang an mit (), meist in einer Sprecherfunktion des Gremiums. Neben der Mietenpolitik waren seine Themen Kinder und Jugend, Schule und Bildung, Kultur, Stadtplanung sowie Verkehr.

Nach der ersten Krebserkrankung reduzierte Anker seine ehrenamtlichen politischen Tätigkeiten und wandte sich stärker der Fotografie zu, ohne dabei das Politische aus den Augen zu verlieren. Eng verbunden blieb er bis zuletzt dem Komed e.V. und der Kiezkneipe Linus, wo im Anschluss an die Trauerfeier alle Gäste noch einmal zusammenkommen konnten. Michael Anker wird in aller Stille in einem anonymen Urnenfeld beigesetzt. Anstelle von Blumen und Kränzen bat er um eine Spende an den Verein Freunde der Fritz-Karsen-Schule.

=Christian Kölling=

%d Bloggern gefällt das: