Heimstaden verunsichert Hausgemeinschaften auch am Wildenbruchplatz

„Berlin, hol‘ Dir Dein Haus zurück!“ Ein Transparent am Balkon eines Wohnhauses in der Weserstraße weist daraufhin, dass die Gentrifizierung nun auch südöstlich der Wildenbruchstraße endgültig angekommen ist. Weit mehr als 100 Häuser mit knapp 4.000 Wohnungen hat das schwedische Immobilienunternehmen Heimstaden AB während der vergangenen Monate in ganz Berlin für mehr als 800 Millionen Euro gekauft. Rund um den Wildenbruchplatz in Neukölln, wo es lange Zeit recht ruhig war, sind überdurchschnittlich viele Häuser betroffen.

„Der Deal treibt den Ausverkauf der Stadt weiter voran und hat das Potential, Mietenwahnsinn und Verdrängung weiter zu verstärken“, warnt das Initiativenforum Stadtpolitik Berlin auf seiner Webseite. Sie soll die Bewohnerinnen und Bewohner miteinander vernetzen, um einen solidarischen Protest zu organisieren: Weil sich die hohen Investitionen an der Milliardengrenze irgendwann rentieren müssen, werden Mietsteigerungen, Verdrängung sowie die Umstrukturierung ganzer Wohngebiete befürchtet. Das europaweit arbeitende Immobilienunternehmen Heimstaden tritt in der Öffentlichkeit zwar betont mieterfreundlich, sozial und nachhaltig auf, ist aber wegen der Umwandlung von Miet- in Eigentumswohnungen sowie durch den Umbau von Wohnungen in Mikro-Luxusappartements bereits in die Kritik geraten.

Mieterinnen und Mieter in Milieuschutzgebieten wie am Wildenbruchplatz hoffen deshalb darauf, dass die Bezirke ihr Vorkaufsrechts in Erhaltungsgebieten verstärkt nutzen, um die Häuser zu rekommunalisieren. Dafür sind allerdings einige organisatorische und politische Hindernisse zu überwinden.

Ein Online-Treffen zur Vernetzung aller Mieter und ihrer Unterstützer findet morgen um 20 Uhr statt; die Einwahldaten für das Treffen werden nach der Anmeldung an vernetzung-heimstaden@iniforum-berlin.de mitgeteilt.

In Neukölln unterstützt neben vielen Initiativen auch die Kiezversammlung 44 den Protest. Am 1. November von 12 bis 15 Uhr lädt sie zum Treffen in den Jugendclub Manege (Rütlistr. 1-3) ein.

=Christian Kölling=