Umwelt- und Naturschutz treffen sich mit Bildung und Kultur auf den ungenutzten Flächen des Neuen St. Jacobi Friedhofs

Frisch gesäter Spinat auf einem großen Acker mitten in Neukölln nicht weit vom U- und S-Bahnhof Hermannstraße? Als Prinzessinnengarten Kollektiv zog Nomadisch Grün Ende 2019 vom Prinzessinnengarten am Moritzplatz in Kreuzberg nach Neukölln, um hier modellhaft eine langfristige und sozial-ökologische Begleitnutzung von Friedhofsflächen zu erproben. Seither stellt der Evangelische Friedhofsverband Berlin-Stadtmitte ungenutzte Teilflächen des Neuen St. Jacobi Friedhofs an der Hermannstraße 99-102 für verschiedenste niederschwellige Bildungs- und Partizipationsangebote zur Verfügung.

Neben einem 3.000 Quadratmeter großen Acker, auf dem am vergangenen Sonnabend während eines Aktionstages der Spinat ausgesät wurde, ist auf den ungenutzten Friedhofflächen unter anderem genügend Platz für einen bunten Staudengarten, einen Gemeinschaftsgarten sowie für eine Umweltbildungsfläche.

Der Neue Friedhof St. Jacobi wurde 1867 angelegt und steht heute nur noch für Nachbesetzungen zur Verfügung. Eines der bekannten Gräber ist das des Theologen Bruno Bauer (1809–1882) mit dessen Schriften sich Karl Marx und Friedrich Engels kritisch auseinandersetzten. Es liegt direkt am Hauptweg des Friedhofs, nur einige hundert Meter vom Eingang entfernt. Die Friedhofsnutzung und der Besuch von Trauernden an den Gräbern erfordern nach wie vor einen behutsamen Umgang mit dem Gelände. Urbanes Gärtnern und Naturerfahrung sowie ruhige soziale und kulturelle Veranstaltungen sieht deshalb der Friedhofsverband für die Begleitnutzung der Flächen vor.

Unstimmigkeiten wegen der Nutzung des Geländes sind inzwischen ausgeräumt. Sie waren im Frühjahr zwischen dem Evangelischen Friehofsverband sowie dem Prinzessinnengarten-Kollektiv auf der einen, und dem von Bezirksstadtrat Bernward Eberenz geführten Umwelt- und Naturschutzamt Neukölln auf der anderen Seite entstanden. Die Landesparlamentarier Danny Freymark (CDU) und Dr.Turgut Altug (Grüne) vermittelten als umweltpolitische Sprecher ihrer Fraktionen zwischen den Konfliktparteien, sodass am 1. Oktober eine gemeinsame Grundlagenvereinbarung veröffentlicht werden konnte. „Ich freue mich, dass es gelungen ist, Missverständnisse auszuräumen und deutlich werden zu lassen, dass innerstädtischer Naturschutz und flächenverträgliche Nutzung sowie Erhaltung dieser biotopisch hoch entwickelten und stadtökologisch so wichtigen Flächen gemeinsames Ziel sind. Die Abteilung Umwelt und Natur setzt sich daher auch nachdrücklich dafür ein, dass im Rahmen der neuen Beplanung des Friedhofes Jacobi II Flächen für Urban Gardening großzügig ausgewiesen und dauerhaft gesichert werden“, erklärte Umweltstadtrat Eberenz in einer Pressemitteilung. „Diese Grundlagenvereinbarung für eine Kooperation ist notwendig für unsere Weiterexistenz – damit wir uns sorgenfrei unserer Bildungsarbeit vor Ort widmen können“, kommentierte Gärtnerin und Geschäftsführerin Lisa Dobkowitz den Abschluss der Vereinbarung. „Wir sind erleichtert, dass wir uns nun auf einem Weg der Einigung und künftigen Zusammenarbeit befinden um gemeinsame Ziele im Umwelt- und Naturschutz zu verfolgen. Wir hoffen sehr, dass diese Einigung eine sichere Grundlage für unsere Arbeit vor Ort darstellt und weitere Unstimmigkeiten in Zukunft vermieden werden können“, fügte Mitbegründer des Prinzessinnengartens Robert Shaw hinzu.

Mit einem „Action-Day für alle“ am 31. Oktober nachmittags wird die Neuköllner Oper gemeinsam mit dem Prinzessinnengarten Kollektiv sowie mit der Bloggerin, Autorin und Aktivistin Lydia Krüger gegen den Klimawandel und für ein konsequent nachhaltiges Leben mobilisieren. Der Aktionstag ist für den ganzen Menschen mit Hand, Kopf und Seele gedacht. Daher packen alle am Nachmittag zunächst im Garten an. Nach der Gartenarbeit soll eine Suppenpause Körper und Geist wärmen. Und im Anschluss wird in kleinen Arbeitsgruppen in der Kiezkapelle gedacht, diskutiert und – gehandelt, kündigt die Neuköllner Oper auf ihrer Webseite an.

Um Anmeldung für den „Action Day – Einfach anfangen“ wird gebeten: https://www.neukoellneroper.de/play/einfach-anfangen/

=Christian Kölling=

Eine Antwort

  1. Ich wundere mich immer wieder darüber wie man auf Friedhöfen plötzlich einen Park anlegt oder jetzt Spinat anpflanzt. Was ist mit der Totenruhe ? Und Neukölln ist immer noch voll mit Menschen. Ich frage mich wo die alle einmal beerdigt werden. Ich , als geborene Neuköllnerin möchte in Neukölln begraben werden aber nicht neben einem Spinatbeet.

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