Werkschau „Janosch – Bilder & Geschichten“ zeigt Arbeiten für Kinder und Erwachsene

Mit seinen Kinderbüchern prägt Janosch seit Jahrzehnten die Kindheit und Jugend vieler Menschen. Seine erfolgreichsten Geschichten wurden in mehr als dreißig Sprachen übersetzt, verfilmt und an zahlreichen Kindertheatern aufgeführt. Janoschs Figuren – der Bär, der Tiger und allen voran die kleine Tigerente auf Rädern – verbinden die Merkmale „niedlich“ und „schutzbedürftig“ mit den entgegengesetzten Attributen „stark“ und „gefährlich“. Sie bieten sich damit für Kinder ideal als Identifikationsfiguren an. Seine Kindergeschichten vermitteln Geborgenheit und eine liebevolle Atmosphäre, die auch Erwachsene in ihren Bann ziehen kann. Die Figur des Mäusesheriffs machte ihn 1973 erstmals in Westdeutschland etwas bekannter. Das von Janosch illustrierte Kinderbuch „Oh, wie schön ist Panama“ machte ihn endgültig berühmt und wurde 1979 mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichnet.

Janosch, der 1931 als Horst Eckert im oberschlesischen Zabrze in sehr bescheidenen Verhältnissen zur Welt kam, hatte selbst alles andere als eine glückliche Kindheit: Der alkoholkranke Vater prügelte ihn oft. Mit der Mutter, einer strengen Katholikin, war es nicht immer einfach. Die katholische Kirche tat ihm als Jugendlichen schwere Gewalt an. Zurückgezogen lebt der Schlesier, der sowohl die deutsche als auch die polnische Staatsangehörigkeit besitzt, seit vier Jahrzehnten mit seiner Ehefrau Ines auf Teneriffa und pflegt seinen Ruf als kauziger Misanthrop.

Unter dem Titel „Janosch – Bilder & Geschichten“ ist seit dem Wochenende eine Werkschau mit über 100 Unikaten und Graphiken des populären Kinderbuchautors im Schloss Britz zu sehen. Die Ausstellung, deren Arbeiten alle käuflich erworben werden können, präsentiert einen Illustrator und Autor, der sich nicht allein an Kinder, sondern auch ausdrücklich an Erwachsene richtet. In diesen weniger bekannten Arbeiten beschäftigt Janosch sich mal derb, mal sinnlich mit der Schilderung von Beziehungen und Stimmungen, aber auch mit Städten und Landschaften. Er zeigt sich als Erzähler, kritischer Kommentator und genauer Beobachter, der zeichnet, was er nicht mit Worten beschreiben kann. Die Ausstellungsbesucher können u. a. der Figur des Herrn Wondrak wiederbegegnen, die Janosch einst für eine Serie im Zeit-Magazin schuf.

In Polen ist Janosch vor allem auch als Autor bekannt. Sein erster Roman „Cholonek oder Der liebe Gott aus Lehm“ aus dem Jahr 1970 wurde dort ein großer Erfolg. Die Werkschau, die die Kulturstiftung Schloss Britz in Kooperation mit der Tübinger Galerie Art28 ausrichtet, macht mit dem eher Unbekannten des Illustrators bekannt. Sie steht erstmals unter der Leitung von Dr. Martin Steffens, der sich bei der Vernissage am vergangenen Freitag als Nachfolger für Sonja Kramer, der bisherigen Geschäftsführerin der Kulturstiftung, vorstellte.

Die Ausstellung ist noch bis zum 10. Januar 2021 im Schloss Britz (Alt-Britz 81 – 83) zu sehen; Öffnungszeiten: Di. – So. 12 – 18 Uhr (Sonderführung: sonntags um 16 Uhr und nach Vereinbarung, zzgl. 3 Euro). Eintritt: 5 €, ermäßigt 3 €, Kinder bis 12 Jahre frei. 

=Christian Kölling=