Millionen für Stadtkultur im Freien

„Wir hatten uns schon gewünscht, dass das Programm früher beginnt“, sagt Sabine Kroner. Sie gehört dem Rat für die Künste an, der bereits im Mai – als sich die Berliner Kulturszene vorsichtig nach dem Corona-Lockdown bekrabbelte – für eine Senats-Förderung kultureller Aktivitäten unter freiem Himmel plädierte und damit die Initialzündung für DRAUSSENSTADT gab. Bis der Senat beschloss, sieben Millionen Euro für künstlerische Projekte im Stadtraum zur Verfügung zu stellen, dauerte es dann aber noch zwei Monate – und beginnen wird das Programm erst morgen.

„Mit DRAUSSENSTADT haben wir die aktuellen pandemiebedingten Herausforderungen in Möglichkeiten verwandelt, in Möglichkeiten für Kunst und Kultur – um Teilhabe und Zugänge zu Kultur für alle Menschen zu stärken. Niedrigschwellige und interaktive Formate draußen, im öffentlichen Raum, greifen lokale Bedarfe auf und machen die Vielfalt der Stadtgesellschaft sichtbar“, fasste Kultur-Senator Dr. Klaus Lederer die Ambitionen des Programms zusammen, als er es vor knapp drei Wochen bei einer Pressekonferenz in der Floating University vorstellte.

DRAUSSENSTADT ist sozusagen der Schirm, der über allen Akteur*innen aufgespannt wird, die sich daran beteiligen“, erklärt Sabine Kroner. Nach außen ist er auf den ersten Blick eine neue Plattform, die Open Air-Erlebnisse, Stadtkultur und urbane Praxis bündelt und die Veranstalter vernetzt: Künstler*innen, Stadtforscher*innen, soziokulturelle und künstlerische Stadtraumprojekte, Think-Tank-Foren, Clubs, popkulturelle Programme und bezirkliche Initiativen. Frei nach der Maxime „Stadt für alle“ soll er denen Inspiration und Informationen geben, die städtische Räume neu entdecken wollen, andererseits aber auch diejenigen zum Mitgestalten und Ausprobieren animieren, die sich einbringen wollen.

Foto: Bezirksamt Neukölln

Mittel für die Förderung künstlerischer Projekte in den Bezirken stellen einen der Bausteine im auf eineinhalb Jahre angelegten DRAUSSENSTADT-Programm dar. Einen Betrag von 100.000 Euro erhält jeder Bezirk, um seine Musik- und Jugendkunstschulen zu unterstützen, aber auch neue Ideen umzusetzen. So soll in Neukölln am dritten November-Wochenende das Festival „Verhülltes entdecken!“ mit performativen Aktionen aus den Bereichen Kunst, Theater, Literatur, Tanz und Musik stattfinden. Bis zu 5.000 Euro für die Realisierung ihrer Projektidee können Neuköllner Vereine, Träger oder Künstler*innen-Initiativen erhalten, die sich bis zum 5. Oktober für die Teilnahme am Festival bewerben.

Ein weiterer DRAUSSENSTADT-Baustein made in Neukölln ist Berlin Mondiale. Schon vor fünf Jahren wurde das von Sabine Kroner geleitete Projekt, das Kunst mit Stadt verbindet, an das Kulturnetzwerk Neukölln angedockt: „Seitdem schaffen wir kleine Orte in Nachbarschaften, um künstlerische Aktivitäten zu den Menschen in den Kiezen zu bringen.“ Für DRAUSSENSTADT sei geplant, im kommenden Jahr gezielt vier bis fünf Standorte auszuwählen, um bestenfalls eine Ermöglichungskultur der urbanen Praxis zu initiieren, die Chance auf eine Verstetigung hat. „Welche Auswirkungen Corona langfristig auf den kulturellen Bereich hat, lässt sich ja noch gar nicht absehen“, räumt Kroner ein. Sie sei jedenfalls gespannt, wie die Kulturhaushalte auf die Krise reagieren. ­

=Gast= ­