Vorschläge zur Umbenennung der Wissmannstraße vorgestellt

Nduna Mkomanile, Lucy Lameck oder Fasia Jansen? Eine dieser drei Persönlichkeiten soll in Zukunft die Namensgeberin der Wissmannstraße werden. Das schlug gestern Nachmittag im Oyoun wie die Werkstatt der Kulturen nun heißt, die Jury zur Umbenennung der Straße, die nach dem Kolonialoffizier Hermann von Wissmann benannt ist, der Bezirksverordnetenversammlung Neukölln vor.

Zur Jury, die sich erst gestern bei der Pressekonferenz öffentlich präsentierte, gehörten drei Anwohner der Wissmannstraße sowie Experten für Neuköllner Geschichte und Antikolonialismus: Dr. Udo Gößwald, Leiter des Museums Neukölln, sowie der Kulturwissenschaftler, Journalist und Buchautor Bernd Kessinger waren als Experten der Lokalgeschichte dabei. Mnyaka Sururu Mboro, Mitbegründer des Vereins Berlin Postkolonial sowie Anette Heit, ebenfalls Vorstandsmitglied des Vereins und Programmleiterin des Oyoun, vertraten in der Jury die antikoloniale Perspektive.

Die wissenschaftliche Prüfung der drei Namensvorschläge, die die Jury aus mehr als 400 eingegangen Einsendungen auswählen musste, nahm Prof. Dr. Andreas Ecker, Direktor des Instituts für Asien- und Afrikawissenschaften der Humboldt-Universität Berlin vor.

Die Wangoni-Herrscherin Nduna Mkomanile (auch Nkomanile oder Nkhomanile geschrieben) stellte sich von 1905 bis 1907 im Maji-Maji-Krieg gegen die illegale Landnahme der deutschen Kolonialtruppen in Ostafrika. Sie wurde deswegen 1906 als einzige Frau zusammen mit 67 männlichen Anführern von den Deutschen hingerichtet.

Lucy Lameck – 1934 geboren und am 21. März 1993 gestorben – war eine der ersten weiblichen Abgeordneten im tansanischen Parlament und die erste Frau des Landes im Regierungskabinett. Sie war neben Julius Nyerere eine wichtige Unterstützerin der panafrikanischen Idee. In ihrer über 20-jährigen Tätigkeit als Parlamentarierin – u.a. als stellvertretende Ministerin für Kommunalentwicklung und Gesundheit – initiierte sie maßgeblich Gesetzesvorlagen zur Verbesserung der Position von Frauen in der tansanischen Gesellschaft.

Mkomanile und Lameck erhielten bei der Bürgerbefragung die mit Abstand meisten Stimmen und wurden von antikolonialen Initiativen bereits früher als Namensgeberinnen ins Gespräch gebracht.

Fasia Jansen wurde schließlich von der Jury für die Straßenumbenennung der BVV als dritte Persönlichkeit vorgeschlagen. Die afrodeutsche Liedermacherin und Friedensaktivistin, die am 29. Dezember 1997 im Alter von 68 Jahren starb, setzte sich ihr Leben lang für soziale Gerechtigkeit sowie gegen Krieg, Rassismus und Sexismus ein. Sie nahm u. a. bei großen Streiks, der UNO-Weltfrauenkonferenz in Nairobi und Ostermärschen zusammen mit Joan Baez, Hannes Wader und Perry Friedmann teil. Die Nationalsozialisten verwehrten der Afro-Deutschen die Ausbildung an einer Tanzschule und zwangsverpflichteten sie zum Küchendienst im Konzentrationslager Neuengamme. Die Solidarität mit den ausgehungerten und zum großen Teil kranken jüdischen, französischen, polnischen und sowjetischen Frauen prägten das antifaschistische Engagement der damals 15-Jährigen. Fasia Jansen erhielt 1991 das Bundesverdienstkreuz am Bande und 1997 die Silberne Ehrennadel der Stadt Oberhausen.

„Die Namensvorschläge werden am 7. Oktober den Mitgliedern des Bildungsausschusses vorgestellt“, erklärte Bezirksstadträtin Karin Korte am Ende der Pressekonferenz. Über die endgültige Namensgebung entscheidet die Bezirksverordnetenversammlung von Neukölln.

=Christian Kölling=