10000. Lunchpaket nach dem Corona-Lockdown in der Tee- und Wärmestube Neukölln überreicht

„Die Leute waren komplett verlassen. Einige hatten sogar Tränen in den Augen, als sie vor der verschlossenen Tee- und Wärmestube standen.“ Ein halbes Jahr liegt die coronabedingte Schließung der Anlaufstelle für wohnungs- und obdachlose Menschen, die das Diakoniewerk Simeon in der Neuköllner Weisestraße unterhält, nun zurück. Thomas de Vachroi, Leiter des Diakonie Haus Britz, der auch die Einrichtung im Schillerkiez betreut, kann sich an den Tag des Lockdowns aber so gut erinnern, als wenn der 15. März erst gestern gewesen wäre. „Von einem Tag auf den anderen mussten wir die Räumlichkeit schließen, um die Ansteckungsgefahr für die Mitarbeitenden so gering wie möglich zu halten. Das bedeutete, dass auch die Küche geschlossen bleiben musste und keinerlei Lebensmittel mehr vor Ort verarbeitet werden durften.“

Andererseits hatte sich die Situation der Bedürftigen nach dem Lockdown dramatisch verschlechtert: „Unsere Besucher waren kaum noch in der Lage, sich über Wasser zu halten, weil die Straßen- und Lebensmittelspenden um circa 90 Prozent zurückgegangen waren“, erinnerte sich der Armutsbeauftragte des Diakoniewerks Simeon an die dramatischen Tage im März. Um zumindest einen Teil der Versorgung aufrechtzuerhalten, entschloss sich das Team des Diakonie Hauses Britz, die notwendige Essensversorgung für die Gäste der Tee- und Wärmestube Neukölln zu übernehmen.

Seitdem werden in Britz Lunchpakete mit vollwertigen Mahlzeiten unter Einhaltung aller notwendigen Hygienestandards hergestellt. Sie werden dreimal wöchentlich durch das Fenster der Wärmestube an die Bedürftigen ausgegeben, sodass möglichst jeder körperliche Kontakt unterbrochen ist.

Am vergangenen Mittwochnachmittag konnten Thomas de Vachroi und Michaela Trottner, die beiden Hauptverantwortlichen der Lebensmittelhilfsaktion, das 10000. Lunchpaket in der Weisestraße übergeben. „Wir unterstützen dieses Projekt mit Herzblut. Die Tee- und Wärmestube ist eine wichtige Institution in Neukölln“, sagte mir Dr. Oliver Unglaube, Geschäftsführer des Diakoniewerks Simeon, der am Mittwochnachmittag nicht nur zum Gratulieren gekommen war, sondern auch beim Packen der Pakete half.

Die Aktion Lunchpakete ist nicht nur in logistischer, sondern auch in finanzieller Hinsicht eine große Herausforderung. Neben dem Diakoniewerk, das eine Anschubfinanzierung gab, unterstützen u. a. der Kirchenkreis Neukölln, die Berliner Sparkasse, die Samariter Purse sowie andere Organisationen und zahlreiche private Spenderinnen und Spender das Lebensmittelhilfsprojekt. „Die Unterstützung ist klasse. Der Bezirk hat uns nicht im Stich gelassen“, bedankte sich Vachroi ebenso bei den vielen Freiwilligen, die das Projekt unterstützen. Erst im Mai war ein 29-jähriger Koch und Freizeitfußballer bei einem 558 Kilometer langen Spendenmarathon zu Fuß für die gute Sache von Britz nach Echthausen im Kreis Soest gelaufen. Neben hohem persönlichen Einsatz vieler Unterstützerinnen und Unterstützer dürfte vor allem die gute Öffentlichkeitsarbeit auf der Facebookseite der Tee- und Wärmestube eine Ursache für den bisherigen Erfolg der Spendenkampagne sein.

Schlussendlich ist im sozialen Treffpunkt in der Weisestraße sechs Monate nach dem Lockdown wieder ein wenig Normalität eingekehrt. Während montags, mittwochs und freitags die Lunchpakete ausgeteilt werden, finden dienstags Ausflüge in kleinen Gruppen unter Einhaltung der Corona-Regeln statt. Donnerstags gibt es Frühstück und eine Gelegenheit für Gespräche, Beratung sowie für sozialpädagogische und psychosoziale Unterstützung.

=Christian Kölling=