Zwischenfazit der Kampagne „Schön wie wir“ vorgestellt

„Keine Frage: Auf Neuköllner Straßen und Grünanlagen ist noch immer viel Müll zu finden. Der Erfolg von ‚Schön wie wir‘ lässt sich nicht allein daran messen, wie viele Kubikmeter Müll auf den Straßen landen.“ Eine selbstkritische, aber dennoch ganz überwiegend positive Bilanz zog Bezirksbürgermeister Martin Hikel am vergangenen Mittwochmittag, als er den Evaluationsbericht für gut vier Jahre „Schön wie wir“ der Öffentlichkeit vorstellte. Um gleich praktische Beispiele präsentieren zu können, tat er es bei einem Kiezspaziergang, der vom Elsensteg durch die Innstraße über die Sonnenallee bis zur Anzengruberstraße führte.

Die Kampagne „Schön wie wir“ sei eine Erfolgsgeschichte, die Neukölln lebenswert gemacht habe und aus der mittlerweile eine breit getragene Nachhaltigkeitsbewegung geworden sei, schreibt Hikel im Vorwort des Evaluationsberichtes. Überschwängliche Worte, die angesichts der im Bericht angeführten Zahlen, Daten und Fakten für den rund 330.000 Einwohner zählenden Bezirk vielleicht relativiert werden sollten. 2.500 Konsumenten wurden etwa von der Mehrwegberatung erreicht, 2.252 Personen durch Kiezputzaktionen sowie Tausch- und Sperrmüllmärkte, 2.413 Personen nahmen beim World Cleanup Day teil, listet die Broschüre u. a. auf Seite 14 auf. Die Zahl der erreichten Personen liegt damit jeweils unter einem Prozent der Neuköllner Einwohnerzahl. „Die gewonnenen Erfahrungen zeigen auch, dass die bisherigen Angebote noch nicht alle Bevölkerungsgruppen in Neukölln ansprechen. Die zukünftige Arbeit wird sich daher – neben der Weiterführung bewährter Maßnahmen – auf die Erweiterung des Bildungsangebotes für Nachhaltigkeit und die Verantwortungsübernahme der Wirtschaft konzentrieren“, wird dementsprechend auch im Ausblick am Ende des Evaluationsberichtes erklärt.

Andererseits spricht „Schön wie wir“ zweifellos bereits heute viele Organisationen, Vereine, Initiativen, Betriebe, Schulen und andere Multiplkatoren an, die ihr Image pflegen und zugleich den Bezirk schöner gestalten wollen. Vor allem hat sich die Kampagne in den vergangenen vier Jahren von einer reinen Putz-Aktion zu einer breiten Plattform entwickelt, die die sechs Projekte „Kiezaktionen“ (Sperrmüllmärkte), „Neukölln blüht auf“ (Baumscheiben-Flyer), „Spielplatzpaten“ (Patenschaftsvermittlung für Unternehmen), „Mehrweg-Beratung“ (Gastronomie und Spätis) sowie „Umweltpeers“ (Recyclingberatung) und „Kiezhausmeister“ (Lastenrad-Verleih) umfasst. Einzelne Projekte wie beispielsweise die Sperrmüllmärkte sind unzweifelhaft bereits heute sehr erfolgreich.

Im Mittelpunkt des Spaziergangs standen die Baumscheiben im Quartier. Carolin Kleemann vom Quartiersmanagement Ganghoferstraße und Gabriele Petter vom Wohnungsbau-Verein Neukölln eG berichteten, wie sie den Mietern des Gebäudekomplexes zwischen Sonnenallee, Inn- und Stuttgarter Straße bei der Begrünung ihrer Baumscheiben helfen konnten. Aus Mitteln des Programms Soziale Stadt wurde die Einzäunung finanziert, und der wbv-Neukölln ermöglicht den Mietern den Zugang zum Wasseranschluss im Hof, damit die Mini-Gärten vor der Haustür bewässert werden können.

In der Anzengruberstraße fertigten ein Tischler und seine Nachbarn eine besonders phantasievolle Einfriedung an. Sie erinnert an ein Krokodil, das die Baumscheibe eines Weißdorns mit rissiger Rinde von drei Seiten umschließt. Diese Aktion verschönerte nicht nur die Straße. Sie brachte nicht zuletzt die Nachbarn zusammen und stärkte den sozialen Zusammenhalt. Inzwischen betreuen die Anwohnenden auch einmal wöchentlich ehrenamtlich die Spielstraße vor ihrer Tür und vielleicht schärft die Pflege der Baumscheiben langfristig auch das Bewusstsein für den Zustand der Bäume in ihrer Straße. Unterstützt von den Kiezhausmeistern bepflanzten Hikel und die Anwohner schließlich auf der gegenüberliegenden Seite eine weitere Baumscheibe. Unmittelbar daneben hatten Unbekannte einen schwarzen Sessel und eine weiße Couch abgestellt – wie zum Beweis dafür, dass in Neukölln noch immer viel Müll auf den Straßen liegt.

Jeden Donnerstag zwischen 11 und 13 Uhr laden die Umweltpeers zum mehrsprachigen Tour-Guide im kürzlich eröffneten Re-Use Store in der 3. Etage von Karstadt am Hermannplatz ein. Auf geführten Touren in kleinen Gruppen informieren die Umweltpeers auf Arabisch, Kurdisch, Türkisch und Deutsch über Ressourcenschonung und Müllvermeidung.

Nächste Aktion der Kiezhausmeister: Kostenloser Tausch- und Sperrmüllmarkt auf dem Boddinplatz am 26. September von 9 bis 13 Uhr.

=Christian Kölling=

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