Verkehrszunahme trotz Verkehrsberuhigung nervt Anwohner im Richardkiez

„Das Bezirksamt hat ein eigenes Verkehrskonzept für den Richardkiez und glaubt, dass alles gut wird. Es wird aber nicht alles gut. Hier wird seit 20 Jahren der Verkehr beruhigt, aber in Wahrheit beruhigt sich nichts.“ Rund 100 Menschen, darunter viele Kinder, versammelten sich gestern Nachmittag vor dem Pilz-Imbiss auf dem Richardplatz, um gegen den starken Durchgangsverkehrs im Kiez zu demonstrieren. Die Organisatoren des Protests sind stinksauer: Lange Fahrzeugschlangen in den Straßen und hupende Autos rund um die Uhr wollen sie nicht länger hinnehmen.

Diagonalsperren auf den Straßen sollen die Durchfahrt möglichst unattraktiv machen, damit der Schleichverkehr endlich verschwindet. Die Empfehlung, den historischen Ortskern des Böhmischen Dorfes mit Autos und Kleintransportern freiwillig zu umfahren, hatte bereits der frühere Bezirksbürgermeister Bodo Manegold am Ende des letzten Jahrhunderts ausgesprochen.

Die Bezirksverordneten Marina Reichenbach (SPD) und Bernd Szczepanski (Grüne) waren zur Demonstration gekommen. Ebenso der Grüne-Landesparlamentarier Georg Kössler, dessen Büro gleich um die Ecke in der Braunschweiger Straße ist. „Das Verkehrskonzept für den Richardkiez sollte offen genug sein, um ein Nachsteuern zuzulassen. Ich bin dafür, die Schnalle zwischen Richard- und Karl-Marx-Platz zu sperren“, sagte er. Ein alter Vorschlag der Neuköllner Verkehrspolitik, der auch Reichenbach gut gefällt.

Kurz vor dem Beginn der Kundgebung sorgte eine andere verkehrspolitische Meldung für Aufsehen. „Ich bin schockiert über die Entscheidung des Verwaltungsgerichts, das einem Eilantrag der AfD gegen Pop-up-Radwege in Berlin stattgegeben hat. Ich hoffe, dass das erstinstanzliche Urteil vor dem Oberverwaltungsgericht keinen Bestand haben wird“, sagte mir der Co-Vorsitzende der Grüne-BVV-Fraktion Bernd Szczepanski am Rand der kleinen Demonstration. Die Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klima will gegen die Entscheidung der 11. Kammer des Verwaltungsgerichtes eine Beschwerde mit aufschiebender Wirkung beim Oberverwaltungsgericht einlegen, sodass die Pop-up-Radwege nicht sofort entfernt werden müssen, teilte die Verwaltung am Montagnachmittag mit.

=Christian Kölling=

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