Dank vom Bundespräsidenten an drei Neuköllner und drei weitere Polizisten

„Runter! Ich möchte, dass Du runter gehst. Die Treppe runter!! Ich hab` jetzt keine Zeit, zu diskutieren!“ Polizeihauptkommissar Karsten Bonack ist Stress-Situationen und schwierige Einsätze sicherlich gewohnt. Am Sonnabendnachmittag hatten er und zwei seiner Kollegen vom Polizei-Abschnitt 54 an der Sonnenallee/Wildenbruchstraße allerdings einen Einsatz, den die drei sobald nicht vergessen werden. Gestern waren sie deswegen sogar ins Schloss Bellevue eingeladen.

Vor dem Hauptportal des Deutschen Bundestages stellte sich Bonack den Leuten entgegen, die gerade Absperrungen durchbrochen und die Treppe des Reichstagsgebäudes gestürmt hatten. Ohne Helm redete er auf die Menschen ein, um sie zum Rückzug zu bewegen. In der Menge auch ein filmender Teilnehmer, der ein – inzwischen gelöschtes – Video von den Ereignissen live bei Youtube unter dem Namen AktivistMann veröffentlichte, und der den Polizeihauptkommissar auf den Treppenstufen in ein Gespräch verwickeln wollte. Ihre Schlagstöcke schwingend verteidigten unterdessen die beiden Kollegen Bonacks, die wenige Meter entfernt zwischen zwei Säulen standen, den Eingang des Bundestagsgebäudes, bis weitere Einsatzkräfte zur Verstärkung eingetroffen waren.

Gestern lud Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier – neben den drei Neuköllnern vom Abschnitt 54 – insgesamt sechs Polizisten stellvertretend ins Schloss Bellevue ein. Er dankte damit den vielen tausend Polizistinnen und Polizisten Berlins, anderer Bundesländer sowie des Bundes für ihren Einsatz am Wochenende. Unter hohem persönlichem Risiko und mit großer Professionalität hätten sie Recht und Gesetz bei der Corona-Demo in Berlin verteidigt.

„Reichsflaggen, sogar Reichskriegsflaggen darunter,auf den Stufen des frei gewählten deutschen Parlaments, im Herz unserer Demokratie – das ist nicht nur verabscheuungswürdig, sondern angesichts der Geschichte dieses Ortes geradezu unerträglich“, erklärte Steinmeier in seiner Ansprache. „Wer sich über die Corona-Maßnahmen ärgert oder ihre Notwendigkeit anzweifelt, kann und darf dagegen demonstrieren. Mein Verständnis endet aber dort, wo Demonstranten sich vor den Karren von Demokratiefeinden und politischen Hetzern spannen lassen“, mahnte der Bundespräsident.

„Die Gewaltausschreitungen am Samstag haben wieder einmal deutlich gezeigt: Der Rechtsextremismus hat tiefgreifende Wurzeln in unserer Gesellschaft. Er ist eine ernste Gefahr. Ihn wirksam zu bekämpfen, seine Umtriebe in den Netzen frühzeitig aufzudecken, das ist eine wichtige und andauernde Aufgabe“, forderte Steinmeier weiter. Es sei eine Aufgabe und Pflicht der gesamten Gesellschaft – und eines jeden Einzelnen, aktiv, entschieden und mutig den Feinden unserer Demokratie die Stirn zu bieten. „Wer die verstörenden Bilder vom Samstag gesehen hat, der musste noch Schlimmeres befürchten“, urteilte Steinmeier gestern in seiner Rede.

=Christian Kölling=