Ohren spitzen und auf Gefühle achten in der Galerie im Saalbau

Tellerklappern, Kinderschreien, Türenschlagen oder Musikfetzen: In unserer Umwelt, die stark von visuellen Reizen geprägt ist, haben auch vertraute Klänge die Macht, den Alltag zu prägen und die ganze Palette der Gefühle auszulösen. Die Klangkünstlerin Chelsea Leventhal präsentiert in ihrer Ausstellung „Dear Resident“ sechs ganz unterschiedliche Arbeiten, die sich alle mit der alltäglichen Geräuschkulisse und insbesondere mit auditiven Archetypen des häuslichen Lebens beschäftigen.

Die Klanginstallation „Home“ am Eingang der Galerie im Saalbau klingelt in unregelmäßigen Abständen. Besucherinnen und Besucher, die den Telefonhörer abnehmen, können verzerrt die leise Stimme einer anderen Person in der Leitung wahrnehmen und darauf achten, was für ein Gefühl bei ihnen persönlich ensteht. Die Videoarbeit „Inside“ im hintersten Raum der Galerie zeigt einen verlassenen Wohnblock in der Uckermark, in dem die Lichter in den Fenstern ein sich ständig veränderndes Bild zeigen, das mit der aufgenommenen Geräuschkulisse eine Partitur ergibt.

Die Klanginstallation „Dear Resident“, die der Ausstellung den Titel gab, verwendet weggeworfene Briefkästen aus einem renovierten Wohnhaus für eine Mehrkanal-Komposition: Gedämpfte, flüchtige Klänge, die in zehn verschiedenen Neuköllner Trepenhäusern aufgenommen wurden, regen Gedanken und Gefühle an, die um das Permanente und das Temporäre, das Öffentliche und das Private sowie um das Individuelle und das Kollektive kreisen.

Die raumgreifende Klanginstallation „Liminal Extensions“ spielt schließlich mit den psychologischen Auswirkungen der Raumakustik. Sie erzeugt die Geräusche knarrender Dielen, spritzendem Wassers oder widerhallendem Marmors und erweckt bei Besucherinnen und Besuchern unheimliche Momente, in denen Fantasie und Realität miteinander verschmelzen können.

Alles in allem eine eindrucksvolle Ausstellung, die den Besuch in der Galerie am U-Bahnhof Karl-Marx-Straße lohnt.

Die Ausstellung „Dear Residents“ wird noch bis zum 27. September in der Galerie im Saalbau (Karl-Marx-Str. 141) gezeigt; Öffnungszeiten: täglich 10 – 20 Uhr.

=Christian Kölling=