Hikel und Liecke warnen vor Corona-Sorglosigkeit in der Gastronomie

In drei Neuköllner Bars und Kneipen sind seit dem Corona-Lockdown im Frühjahr bereits neue Infektionsherde entstanden. Das Ordnungsamt und die Polizei kontrollierten deshalb am Wochenende in 13 Lokalen rund um die Weser- und die Weichselstraße, ob die Regeln zur Eindämmung des Corona-Virus eingehalten werden. „Das Ergebnis ist ernüchternd: Genau in einer Bar gab es keinerlei Beanstandung. In allen anderen wurden Verstöße gegen die Infektionsschutzverordnung festgestellt, weil keine Kontaktlisten geführt wurden oder kein Mundschutz getragen wurde, beklagte Bezirksbürgermeister Martin Hikel vorgestern. „Kurz: Ich bin entsetzt, dass gerade mal ein einziger Gastronom aus der Weichselstraße sich an alle Regeln hielt. Und nicht nachvollziehbar finde ich, dass sich unsere Mitarbeitenden von vielen Gästen Vorträge über Corona-Verschwörungstheorien anhören mussten“, bilanzierte Hikel den Wochenendeinsatz.

Gesundheitsstadtrat Falko Liecke warnte gestern vor Sorglosigkeit im Umgang mit Hygieneregeln und forderte bei Verstößen härtere Strafen bis hin zur Schließung von Lokalen: „Es ist ein Zugeständnis an die Gastronomie, dass sie wieder öffnen dürfen. Noch immer gilt, dass wir in einer Pandemie leben. Wer sich nicht an Auflagen hält, gefährdet nicht nur sich selbst, sondern alle Berlinerinnen und Berliner.“ Angesichts der schweren Folgen von Hygieneverstößen für die gesamte Bevölkerung forderte der Gesundheitsstadtrat, es nicht bei Bußgeldern zu belassen: „Maximal 500 Euro Bußgeld für eine nicht geführte Anwesenheitsliste schrecken niemanden ab. Das wird in den Partykiezen schneller verdient als wir Bußgelder verteilen können. Stattdessen muss die Schließung drohen, wenn keine Listen geführt werden oder der Mund-Nasen-Schutz nicht beachtet wird“, sagte Liecke. Seine Pressemitteilung endete mit dem Hinweis, dass der Widerruf der Gaststättenerlaubnis rechtlich möglich und sogar zwingend sei, wenn Gastwirte unzuverlässig sind, insbesondere wenn Vorschriften des Gesundheitsschutzes nach den Paragraphen 15 und 4 des Gaststättengesetzes nicht eingehalten werden.

=Christian Kölling=