Schöne Sonnenuntergänge und viel Stadtnatur mitten in Berlin am Dreiländereck

Das Ufer an der Lohmühlenbrücke, wo die drei Bezirke Neukölln, Treptow-Köpenick und Friedrichhain-Kreuzberg aneinander stoßen, wird Dreiländereck genannt. Es ist mitten in Berlin einer der besten Plätze, um schöne Sonnenuntergänge zu erleben. Jeden Abend treffen sich hier viele Menschen, um die tolle Aussicht und den Abend zu genießen. Dabei wird selbstverständlich auch gegessen, getrunken und geraucht. Leider bleibt danach viel zu oft Müll zurück. Auch Kippen und Kronkorken liegen – neben anderem Müll und Dreck – massenweise auf den Grünflächen und Wegen.

Mit viel Sachverstand und unbezahlter Freiwilligenarbeit legten vor rund zehn Jahren einige Anwohnerinnen und Anwohner auf Treptower Gebiet die Schmetterlingswiese an. Regelmäßig pflegt die Anwohnerinitiative Schmetterlingswiese seitdem das oft verkannte Kleinod an der Lohmühlenbrücke. Die Freiwilligen sammeln Kronkorken und Zigarettenkippen auf und jäten Pflanzen, die im Begriff sind, die Wildkräuter auf der Wiese zu verdrängen.

Am späten Mittwochnachmittag rief die Anwohnerinitiative Schmetterlingswiese zusammen mit Alles im Fluss/wirBerlin und der BUND-Ortsgruppe Dreiländereck Treptow, Kreuzberg, Neukölln, die in Gründung ist, wieder zu einem gemeinsamen Cleanup auf. „Der Nutzungsdruck ist hier besonders groß und das Problem an sich ist, die Fläche überhaupt als Wildwiese zu erhalten. Die Pflanzen haben keine Chance, wenn die Leute sich auf die Wiese setzen, deren Wert sie nicht erkennen“, beschrieb Andrea Gerbode von der Anwohnerinitiative das Grundproblem ihrer Arbeit: „Die Qualität unserer Wildwiese zeichnet sich nicht durch ihre Buntheit aus. Es ist keine Blühwiese. Sie ist aber umso bedeutender für die Artenvielfalt.“ Es sei nicht einfach, den ökologischen Wert der Magerwiese sofort zu erkennen, fuhr sie fort und zeigte mir eine kleine Heidenelke an der Einzäunung am Rand der Wiese, auf der es – abgesehen von einigen Kohlweißlingen – derzeit keine Schmetterlinge gibt. Die Heidenelke (Dianthus deltoides) bevorzugt sandige Wiesen und trockene Böschungen. In der Hälfte aller Bundesländer steht sie bereits auf der Roten Liste der vom Aussterben bedrohten Arten, weil es immer weniger Lebensräume für sie gibt.

Auf ein zweites Problem wies mich Kerstin Schmidt von der Initiative hin. „Einige Leute werfen nicht nur achtlos den Müll auf die Wiese. Hinter den Sitzgelegenheiten aus Beton stehen die Brennnesseln hoch. Sie wachsen besonders gut auf nährstoffhaltigem Boden, aber nicht auf dem trockenen Boden einer Magerwiese“, erfahre ich weiter. Brennnesseln seien deshalb ein guter Pipi-Indikator, also ein Hinweis auf Urin und Fäkalien im Boden. Zum Cleanup hatte Schmidt ein neues Hinweisschild mitgebracht. „Das ist eine Wiese für Vögel und Insekten. Bitte nehmt Rücksicht“, steht darauf, und die Gäste des Dreiländerecks werden aufgerufen: „Benutzt Bänke und Steinkante. Nicht auf die Fläche setzen!“

„Wir suchen noch engagierte Mitmacher für den World Cleanup Day im September“, informierte mich schließlich Tanja Dickert. Sie war aus Neukölln an das Ufer gekommen, um Taschenascher für Zigarettenkippen zusammen mit einem Park-Knigge-Flyer an die Besucher des Dreiländerecks zu verteilen. Diesjährige Schwerpunkte der Aktionen zum World Cleanup Day am 18. und 19. September in Neukölln werden der Landwehrkanal und die Hasenheide sein. Alles weitere auf der Webseite www.wir-berlin.org/Aktionstag-2020, wo auch eigene Aktionen angemeldet werden können.

=Christian Kölling=