Aus für Karstadt in den Gropius Passagen zum 31. Oktober!

Der Regierende Bürgermeister Michael Müller, Bürgermeisterin Ramona Pop und Bürgermeister Dr. Klaus Lederer stellten als Spitzen der Regierungskoalition gestern Mittag gemeinsam eine Vereinbarung über den Erhalt von Warenhausstandorten der Galeria Karstadt Kaufhof GmbH sowie über die Investitionen der Signa-Gruppe in städtebauliche Projekte im Land Berlin vor. Die vier Warenhäuser im Ring Center, am Tempelhofer Damm, in der Wilmersdorfer Straße sowie in der Müllerstraße bleiben entgegen bisherigen Schließungspläne zumindest mittelfristig erhalten. Auch drei Neubauprojekte der Signa-Gruppe am Alexanderplatz, am Kurfürstendamm sowie am Hermannplatz wurden in die Absichtserklärung einbezogen, die Müller, Pop und Lederer öffentlichkeitswirksam im Roten Rathaus unterzeichneten, nachdem Timo Herzberg, CEO Signa Real Estate und Miguel Müllenbach, Galeria Karstadt-Kaufhof GmbH, bereits ihre Unterschriften geleistet hatten.

Hiobsbotschaft für die GKK-Filialen im Lindencenter in Hohenschönhausen sowie in der Neuköllner Gropiusstadt: Sie wurden in den „Letter of Intent“ nicht aufgenommen und müssen schließen. „Das GKK-Warenhaus in den Gropius Passagen soll zum 31.10.2020 geschlossen werden“, teilte mir der Verdi-Bezirk Berlin, Fachbereich 12 – Einzelhandel gestern Nachmittag mit. Es seien circa 60 Kolleginnen und Kollegen betroffen. Die Mitarbeiter könnten entscheiden, ob sie für sechs Monate in eine Transfergesellschaft wechseln. Dort sollten sie qualifiziert und bei der Arbeitsplatzsuche unterstützt werden. „Wer nicht in die Transfergesellschaft wechselt, bekommt seine Kündigung“, endete die Nachricht lapidar.

Ein Karstadt-Kunden aus der Gropiusstadt machte mich – ohne selbst Hintergründe zu kennen – schon am Wochenende darauf aufmerksam, dass seit dem 1. August quietschbunte Plakate in den Schaufenstern der Galeria Karstadt Kaufhof an der Johannisthaler Chaussee hängen: „Wir schliessen diese Filiale“ und „Alles reduziert“ ist darauf zu lesen.

„Die Schließung des Karstadt-Hauses in der Gropiusstadt bleibt ein Schlag ins Gesicht für die Beschäftigten, zumal das Haus erst vor zwei Jahren nach einer Komplettsanierung eröffnet wurde. Auch für die Gropius Passagen entfällt ein wichtiger Ankermieter“, kommentierte am späten Montagnachmittag Bezirksbürgermeister Martin Hikel in einer Pressemitteilung. Erst vor einem knappen Monat hatte der SPD-Politiker zusammen mit Beschäftigten, Gewerkschaftsmitgliedern und Kommunalpolitikern von CDU, Grünen und Linken für den Erhalt der in Berlin kleinsten schließungsbedrohten GKK-Filiale demonstriert.

„Doch trotz schlechter Nachrichten gibt es auch erfreuliche Entwicklungen. Es ist gut und überfällig, dass der Bebauungsplan für das Warenhaus am Hermannplatz nun angegangen wird“, erklärte Bezirksbürgermeister Hikel weiter und fügte an: „Durch den Stillstand der letzten zwei Jahre haben wir viel Zeit verloren. Umso dringender ist es nun mit ernsthafter Beteiligung der Anwohnenden in Kreuzberg und Neukölln die Planung anzugehen.“

In der fünf Seiten zählenden Absichtserklärung von Senat, Signa und der Galeria Karstadt Kaufhof GmbH ist u. a. festgeschrieben, dass am Hermannplatz eine gemischt genutzte Immobilie entwickelt werden soll, bei der das Warenhaus in zukunftsfähiger Form weiterhin die Ankernutzung darstellt. Dabei sollen Wohnen und Arbeiten sowie ein gemeinwohlorientierte Angebote berücksichtigt werden. Wörtlich heißt es in der Vereinbarung u. a.: „Ausgehend von dem von Signa vorgelegten Konzept wird ein zügiges Masterplan-Verfahren unter Einbeziehung der Zivilgesellschaft durchgeführt. Daran werden sich neben Signa die beiden Bezirke Friedrichshain-Kreuzberg und Neukölln, die Senatsverwaltungen für Stadtentwicklung und Wohnen sowie für Wirtschaft, Energie und Betriebe als auch die Senatskanzlei beteiligen. Die dabei erarbeiteten Ergebnisse werden anschließend, noch in dieser Legislaturperiode, in einem separaten Letter of Intent festgehalten.“

In Neukölln rückt jetzt nicht nur das Bauvorhaben am Hermannplatz stärker in das öffentliche Interesse als bisher, sondern es wird auch genau verfolgt werden, wie die Gropius Passagen, die zu den schönsten Einkaufszentren der Stadt gehören, sich ohne Karstadt weiter entwickeln.

=Christian Kölling=