Naturbeobachtung in der Stadt: „Irgendwann beginnt man das System zu verstehen“

Stadt und Natur? Viele Menschen sehen darin wohl eher einen Gegensatz, auch wenn zwischen beiden Begriffen ein Bindewort steht. Dr. Christian Hoffmann liest das Begriffspaar dagegen am liebsten zusammen mit einem kräftig betonten „und“ in der Mitte: Für die Stadtnatur setzt sich Hoffmann seit langem ein. Er ist der Gründungsmitglied des interkulturellen Pyramidengartens am Columbiadamm und arbeitet als Bezirksverordneter der Grünen-Fraktion u. a. im Ausschuss für Umwelt und Natur mit. Vor drei Jahren fing er an, nicht nur auf Urlaubsreisen, sondern vor allem zuhause in Neukölln, Schmetterlinge zu fotografieren.

„Inzwischen habe ich 80 verschiedene Schmetterlingsarten fotografiert und dokumentiert“, berichtete er mir neulich in seinem Büro. Erfahrene Lepidopterologen haben in der Region Brandenburg-Berlin bisher 118 Tagfalter-Arten nachgewiesen und in einem 328 Seiten umfassenden Buch des Brandenburger Landesamtes für Umwelt in Wort und Bild vorgestellt. Ermöglicht wurde dieses Standardwerk nur durch die jahrzehntelange, akribische Beobachtungstätigkeit zahlreicher, überwiegend ehrenamtlich arbeitender Schmetterlingsforscher.

„Auf dem Tempelhofer Feld starte ich meine Touren mit der Kamera meist in der Nähe des Eingangs Columbiadamm, dort wo die Bäume stehen und eine Verbuschung beginnt. Dann geht es weiter am Flugzeugkäfig vorbei über die Wiesen Richtung Autobahn. Dort auf den Asphaltflächen die inzwischen überwachsen sind, findet man die meisten Bläulinge“, erzählte Hoffmann weiter.

Es gibt Falterarten wie den Zitronenfalter oder den Hauhechelbläuling, die sich flach am Boden aufhalten. Der Braundickkopffalter oder der der Buchsbaumzünsler sind dagegen lieber in höheren Regionen unterwegs, z. B. an Gebüschsäumen oder in der Nähe von Buchsbäumen. Wer Schmetterlinge beobachten möchte, sollte sich im Vorfeld über ihre Ansprüche an den Lebensraum und über ihre Flugzeit informieren. „Irgendwann erkennt man Bereiche, in denen man immer wieder die gleichen Arten findet und beginnt das System zu verstehen. Am besten eignen sich für die Beobachtung warme und regenfreie Tage mit nicht zuviel Wind zwischen 7 und 12 Uhr“, empfiehlt Hoffmann.

In Neukölln können Schmetterlinge zudem in Grünanlagen und Kleingärten beobachtet werden. Hier sind vor allem weitverbreitete Arten wie Tagpfauenauge, Zitronenfalter oder Kohlweißling anzutreffen. Ein vielfältiger bunter Garten, der den verschiedenen Lebensstadien einer Schmetterlingsart gerecht wird, ist besonders schmetterlingsfreundlich. Balkone können als Raststationen wichtig sein, allerdings lassen Schmetterlinge sich dort vermutlich nicht dauerhaft nieder.

=Christian Kölling=

Eine Antwort

  1. Lieber Christian,

    Danke! Ein sehr schöner Artikel.

    Herzlich Christian

    Liken

Kommentare sind geschlossen.