Fahrraddemo für sofortige gesicherte Radspuren in der Hermannstraße

„Das Bezirksamt wird gebeten, zu prüfen, welche Teilstücke der geplanten Radspur der Hermannstraße temporär als pop-up-bikelane eingerichtet werden können und dieses dort auch zeitnah umzusetzen“, beschloss die BVV Neukölln mehrheitlich auf ihrer Sitzung am 24. Juni. Doch was bedeutet dieser Beschluss konkret? „Wir befürchten eine Minimallösung von wenigen hundert Metern, also keine sichere Rad-Infrastruktur nennenswerter Größe“, mutmaßte das Netzwerk Fahrradfreundliches Neukölln kurz nach der Sitzung des Bezirksparlaments.

Gestern Nachmittag trafen sich deutlich mehr als 300 Radfahrerinnen und Radfahrer bei schönstem Sommerwetter im Anita-Berber-Park, um ihrer Forderung nach einer mit Pollern abgesicherten Radspur auf der Hermannstraße zwischen Hermannplatz und Britzer Damm erneut zu bekräftigen. „Heute ist unsere vierte Fahrrad-Demo auf der Hermannstraße. Wir treffen uns seit einem Vierteljahr regelmäßig“, berichtete Gesa Jessen, Sprecherin der Initiative „Hermannstraße für alle“. Die gesicherte Radspur solle umgehend auf beiden Seiten der rund 2,6 Kilometer langen Hauptverkehrsstraße eingerichtet werden, forderten die Aktiven. „Die dauerhafte Radspur im nächsten Jahr ist nur ein Versprechen. Der Autoverkehr und der Fahrradverkehr sind seit der Corona-Pandemie gleichermaßen gestiegen, weil weniger Menschen den ÖPNV benutzen. Jetzt ist der Bedarf da, um Radfahrerinnen und Radfahrer auf der Hermannstraße zu schützen!“, argumentierte Jessen. „Wenn die Poller sofort aufgestellt werden, ist gleich zu erkennen, wo die Schwachstellen der dauerhaften Radspur im kommenden sein könnten“, fügte sie hinzu.

Erst neulich sei wieder ein Dooring-Unfall passiert, bei dem ein Radfahrer von einer plötzlich geöffneten Autotür getroffen und weit auf die Fahrbahn der Hermannstraße geworfen wurde, bekräftigte eine Demonstrantin die Forderung der Versammelten.

„Hermannstraße = Lebensgefahr“ und “Wir sind hier, wir sind laut, bis ihr #PopUpHermann baut!“, lauteten zwei Parolen, die unter den vielen mitgeführten Plakaten besonders auffielen. Marina Reichenbach, Bezirksverordnete der SPD, hatte an ihrem Fahrradanhänger ein Plakat mit der Aufschrift „Jeder Poller rettet Leben“ angebracht und drückte ihre persönliche Sympathie für die Initiative offen aus. Ihr Neuköllner Fraktionskollege Peter Scharmberg, der ebenfalls mit dem Fahrrad zur Demo gekommen war, zeigte zwar Verständnis für das Anliegen von „Hermannstraße für alle“, sah sich selbst aber eher als Vermittler zwischen Bezirk und Bürgern sowie als Beobachter der Protesttour, die zweimal vom Hermannplatz bis zur Autobahnauffahrt am Britzer Damm führte.

Auffallend viele Eltern nahmen mit ihren Kindern an der Rad-Demonstration teil. „Spielstraßen sind cool, aber kein Ersatz für Bike-Lanes. Die Hermannstraße gehört für viele Kinder zum Schulweg“, sagte eine Mutter knapp. „Einen gesicherten Radweg finde ich sehr gut“, sagte auch der 11-jährige Karl als einer der Redner der Abschlusskundgebung.

Die Initiative „Hermannstraße für alle“ ruft für den übernächsten Sonntag wieder zur Protesttour auf und trifft sich zum Start um 14.30 Uhr im Anita-Berber-Park am U-Bahnhof Leinestraße.

=Christian Kölling=