Neuköllner Oper lädt mit ungebremster Spiellust zur neuen Saison ein

„Wie nie zuvor fiebern wir der neuen Spielzeit im August entgegen“, sagte mir Bernhard Glocksin gestern Abend. Ich traf den Künstlerischen Leiter der Neuköllner Oper bei der vorletzten Vorstellung von „Vorglühen“, einer Programm-Vorschau auf die bevorstehende Spielzeit, im Hof der Passage an der Karl-Marx-Straße. Seit Juni machen Künstlerinnen und Künstler immer freitags an den weit geöffneten Fenstern des Neuköllner Opernhauses auf die am 1. August unter Corona-Bedingungen beginnende Musiktheater-Saison 2020/2021 neugierig und geben 20 Minuten lang kostenlose Proben ihres Könnens.

Den Auftakt machte am 12. Juni die Vorschau auf das Musiktheaterstück „Iron Curtain Man“, das im September in Neukölln uraufgeführt wird. Angekündigt ist eine letzte Show für Dean Reed, bekannt auch als „Elvis der DDR“. Reed, geboren in Denver/Colorado, war in Lateinamerika ein Star und kam in den 1970-ern auf Umwegen über Spanien, Italien und die UdSSR in die DDR, um den Ostblock zu rocken. Der „Rote Elvis“ erlebte zuerst eine beispiellose Karriere, doch mit Glasnost und Perestroika begann sein Stern zu sinken. Im Jahr 1986 schließlich nahm sich der Musiker unter bis heute mysteriösen Umständen das Leben.

Die neue Spielzeit wird die Neuköllner Oper mit einer Wiederaufnahme des Einakters „Die Fleisch“ beginnen. Eine Vorschau war unter freiem Himmel schon am 26. Juni zu sehen. Die Neueinrichtung der Oper „Ayamé“ von Kosaku Yamada aus dem Jahr 1931 handelt vom Drama des Mädchen Ayamé, das als Prostituierte arbeiten muss, um die Schulden des verstorbenen Vaters zu tilgen und die Ehre der Familie wiederherzustellen. Als alle Versuche ihres Bräutigams scheitern, sie aus dem Bordell zu befreien, bleibt dem jungen Paar nur ein – traditionell japanischer – Ausweg.

Gestern Abend stellten die Mitglieder des Trickster-Orchestra dem buntgemischten Publikum das Musikstück „Der Mann der sich Beethoven nannte“ vor, das Ende November seine Berliner Premiere in Neukölln haben wird. Die letzte Vorglühen-Vorstellung an den Saalfenstern der Passage findet am 24. Juli um 20 Uhr mit dem Ensemble von Drachenherz statt: Die Wiederaufnahme des gleichnamigen Stückes überträgt die Nibelungen-Sage in die fiktive Gesellschaft einer Jugend-Clique in der trostlosen Kleinstadt Deutschhagen.

=Christian Kölling=