Hufeisern gegen Rechts erinnerte an den 86. Todestag von Erich Mühsam

„Kennst du das Land, wo die Faschisten blühn?” Mit diesem Gedicht, das vom Aufkommen des Faschismus in Italien handelt, warnte Erich Mühsam bereits 1925 vor dem Nationalsozialismus in Deutschland, der damals allgemein noch als unbedeutend eingeschätzt wurde. Kein Jahrzehnt später wurde der Dichter und Anarchist in der Nacht zum 10. Juli 1934 im KZ Oranienburg bei Berlin von der SS ermordet. Unmittelbar nach dem Reichstagsbrand, der den Nazis die Gelegenheit bot, Grundrechte außer Kraft zu setzen und den Weg in die Diktatur zu ebnen, war Mühsam am 28. Februar 1933 festgenommen worden. Bis zu seiner Ermordung wurde er ohne Anklage 14 Monate lang im Gefängnis sowie im Konzentrationslager festgehalten und etliche Mal schwer gefoltert. Als Mitglied der Münchner Arbeiter- und Soldatenräte und Teilnehmer an der Novemberrevolution 1918 war Mühsam auch während der Weimarer Republik stets ein exponierter Gegner der Nazis. „Das rote Judenaas muss weg“, hatte Josef Goebbels schon im Dezember 1932 öffentlich gedroht.

Die Initative Hufeisern gegen Rechts, die alljährlich an den bekannten Nachbarn erinnert, der von 1927 bis 1933 mit seiner Frau Kreszentia in der Hufeisensiedlung gelebt hatte, rief am vergangenen Sonnabendnachmittag zu einer Kundgebung am Mühsam-Gedenkstein in der Britzer Dörchläuchtingstraße auf. Mühsams Gedicht aus dem Jahr 1925 lieferte den Titel der Kundgebung. Sabine Lueken von der Erich-Mühsam-Gesellschaft und Wolfgang Kröske alias Dr. Seltsam erinnerten an das Werk des Dichters und Revolutionärs. Musikalisch begleiteten das Gedenken Ralf „Trotter“ Schmidt und Mario „Bibi“ Schulz, die einige neuvertonte Mühsam-Gedichte aus ihrem Programm „Von meiner Hoffnung lass ich nicht” spielten.

Mit deutlichem Bezug zur Gegenwart warnte Hufeisern gegen Rechts auch vor einer Verharmlosung des heutigen Neonazismus in Deutschland. Jürgen Schulte, Sprecher der Initiaiive, wiederholte die Forderung nach Einsetzung eines parlamentarischen Untersuchungsausschusses zur Aufklärung der Neuköllner Anschlagsserie. Zudem trat er dafür ein, dass der Landesverband Berlin der „Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten“ (VVN-BdA) den Status der Gemeinnützigkeit nicht verliert. Markus Tervooren, Geschäftsführer der Berliner VVN, forderte den gemeinsamen Koalitionsausschuss des rot-rot-grünen Senats auf, die Gemeinnützigkeit der VVN Berlin endlich auf die Tagesordnung zu setzen und ihre Beibehaltung auch gegen den Widerstand der Finanzverwaltung zu beschließen.

=Christian Kölling=