„Die Regenbogenfahne auf dem Rathausvorplatz ist ein wichtiges Zeichen, das aber nicht ausreicht, denn die Gewalt gegen queere Menschen im Bezirk nimmt zu“

Seit dem 2. Juli weht für gut drei Wochen wieder die Regenbogenflagge auf dem Platz vor dem Rathaus Neukölln. Mit diesem Zeichen beteiligt sich das Bezirksamt an der berlinweiten Aktion des Lesben- und Schwulenverbands Deutschland (LSVD) und zeigt während der Pride Weeks bis zum Christopher Street Day seine Solidarität mit lesbisch, schwul, bisexuell, transgender, trans- und intersexuell lebenden Menschen.

„In diesem Jahr sind die Pride Weeks leider durch zahlreiche Einschränkungen geprägt. Trotzdem wollen wir mit dem berlinweiten Hissen der Regenbogenflagge ein sichtbares Zeichen für Vielfalt und Respekt im Stadtbild setzen“, erklärte Jörg Steinert, Geschäftsführer des LSVD Berlin-Brandenburg. „Neukölln soll ein Ort friedlicher und respektvoller Begegnungen verschiedenster Menschen sein. Gewalttaten gegen homosexuelle und transgeschlechtliche Menschen, wie sie in der Vergangenheit bekannt geworden sind, dürfen wir nicht tolerieren oder verharmlosen“, unterstrich Bezirksbürgermeister Martin Hikel in einer gemeinsamen Pressemitteilung.

1996 zogen die drei Bezirke Schöneberg, Tiergarten und Kreuzberg erstmals das bunte Banner zum Christopher Street Day vor ihren damaligen Rathäusern auf. Neukölln ist seit 2006 regelmäßig an der Solidaritäts-Aktion beteiligt. Im vergangenen Jahr strahlte sogar der Rathausturm in den Farben des Regenbogens.

„Die Regenbogenfahne auf dem Rathausvorplatz ist ein wichtiges Zeichen, das aber nicht ausreicht, denn die Gewalt gegen queere Menschen im Bezirk nimmt zu“, erklärte kürzlich Ursula Künning, Vorsitzende der Grünen BVV-Fraktion in Neukölln. „Am letzten Juni-Wochenende wurde Ina Rosenthal, Leiterin des Vereins RuT (Rad und Tat – Offene Initiative lesbischer Frauen) zum wiederholten Mal vor den Projekträumen der Initiative auf der Schillerpromenade mit Gewalt bedroht und lesbenfeindlich beleidigt“, erinnerte Künning und fügte hinzu: „Kurz zuvor wurden in der Elbestraße zwei Männer schwulenfeindlich angegriffen.“ Die Kommunalpolitikerin fordert deshalb eine* Queerbeauftragte* für Neukölln nach dem Vorbild des Nachbarbezirks Tempelhof-Schöneberg. „Queerfeindlichkeit ist eine zunehmende Bedrohung. Gerade die Gewalt gegen lesbische Frauen ist allgegenwärtig und bleibt doch unsichtbar“, so Künning.

=Christian Kölling=