Hilfe für Mobbingopfer an Neuköllner Schulen per App

„Jeder Mobbing-Fall ist einer zu viel. Das Ziel muss ein Schulalltag sein, in dem niemand Beleidigungen und Bedrohungen ertragen muss.“ Für Gerrit Kringel, Vorsitzender der CDU-Fraktion in der Bezirksverordnetenversammlung Neukölln, ist eine bessere Organisierung des Kampfes gegen Mobbing an Schulen längst überfällig. Nun kann die BVV-Fraktion der CDU mit ihrem ernsten Anliegen einen Erfolg verbuchen, wie sie kürzlich mitteilte: Das Bezirksamt und die Schulaufsicht des Bezirks sollen künftig alle Neuköllner Schulen, die die Anti-Mobbing App ‚exclamo‘ einführen wollen, dabei unterstützen, beschloss das Bezirksparlament auf seiner letzten Sitzung vor der Sommerpause am Mittwoch vergangener Woche. Der Beschluss geht auf den Antrag „App exclamo als Pilotprojekt an Neuköllner Schule einführen“ des CDU-Verordneten Karsten Schulze zurück, der Vorsitzender des Ausschusses für Bildung, Schule und Kultur ist.

Da Attacken und Beleidigungen sich immer häufiger im Internet ereignen, entwickelten drei Abiturienten des Canisius-Kollegs in Tiergarten seit 2017 ihre App „exclamo“ und digitalisierten damit den Kampf gegen Mobbing. Die jungen Entwickler hoffen, dass Vorfälle per App häufiger als bei einem persönlichen Kontakt gemeldet werden, weil die Hemmschwelle niedriger liege. Zudem gibt die App mit dem lateinischen Namen, der auf Deutsch übersetzt „Ich schreie auf“ heißt, auch die Möglichkeit einer anonymen Kontaktaufnahme. Für ihre Idee wurden Kai Lanz, Jan Wilhelm und Julius de Gruyter bereits mit dem „Social Entrepreneur Preis 2018“ sowie beim Wettbewerb „Jugend gründet 2019“ ausgezeichnet. Im Februar 2020 stellten sie sich und ihre Idee auch bei Familienministerin Dr. Franziska Giffey vor.

Schulen können sich bei „exclamo“ registrieren und Ansprechpartner wie Sozialarbeiter, Schulpsychologen oder Vertrauenslehrer benennen, die für Mobbingopfer der jeweiligen Schule via App zu erreichen sind. Zweitens können sich Schülerinnen und Schüler, deren Schule nicht bei „exclamo“ registriert ist, an einen Notfall-Chat wenden. Alle Angebote stehen während der Corona-Zeit kostenlos zur Verfügung. Für den Notfall-Chat sucht „exclamo“ aktuell noch ehrenamtliche Unterstützung von Expertinnen und Experten.

=Christian Kölling=