Quarantäne für 369 Neuköllner Haushalte weitestgehend beendet

„Wir haben die Maßnahmen des Neuköllner Gesundheitsamtes ausdrücklich gutgeheißen. Es war eine richtige, notwendige Entscheidung. Die Idee dahinter ist, solche Infektionsherde möglichst lokal einzugrenzen und dann auch konsequent zu begrenzen, um eine Weiterverbreitung zu vermeiden.“ Berlins Innensenator Andreas Geisel hatte sich am vorvergangenen Dienstag bei der Landespressekonferenz nach der Senats-Sitzung unmissverständlich hinter eine drastische Entscheidung gestellt, die Gesundheitsstadtrat Falko Liecke und Bezirksbürgermeister Martin Hikel knapp zwei Stunden zuvor im BVV-Saal des Rathauses Neukölln vorgestellt und erläutert hatten: Um die Ausbreitung des Corona-Virus zu verhindern, waren 369 Haushalte im Norden Neuköllns bis einschließlich 26. Juni unter eine „sozialräumliche Quarantäne“ gestellt worden. Insgesamt 17 Hausaufgänge in sieben Wohnblöcken an verschiedenen Orten, die mit Ausnahme eines Gebäudekomplexes bis heute nicht öffentlich genannt wurden, um die Bewohner vor Neugierigen zu schützen, waren von dieser Maßnahme betroffen.

Für die Vielzahl der Haushalte gab das Bezirksamt gestern das Ende der Quarantäne bekannt. “Die Neuköllnerinnen und Neuköllner haben die Quarantäne ernst genommen und eingehalten. Dafür danke ich ihnen sehr. Die Quarantäne so vieler Haushalte war kein leichter Schritt und für die Bewohnerinnen und Bewohner eine große Belastung. Gleichzeitig war dies aber äußerst wichtig für die Eindämmung der Pandemie“, kommentierte Bezirksbürgermeister Hikel. „In den 369 quarantänisierten Haushalten wurden insgesamt 860 Tests durchgeführt. Nach einer Datenbereinigung liegen nunmehr insgesamt 101 positive Testergebnisse vor“, teilte das Bezirksamt mit und erklärte, dass nach den Ergebnissen einer zweiten Reihentestung am 24. und 25. Juni „fast alle Bewohner der sieben Neuköllner Wohnblöcke mit Ablauf des 26.06.2020 ihre Häuser wieder verlassen dürfen“.

Die genaue Zahl der weiterhin unter Quarantäne stehenden Haushalte wollte das Bezirksamt – auch auf Nachfrage – allerdings nicht mitteilen. „Im Rahmen der Nachsorge verbleiben einige wenige Haushalte noch für unterschiedlich lange Zeit in Quarantäne. Da es sich dabei um reguläre Verfahren handelt und nicht – wie im Fall der vergangenen zwei Wochen – um ein Ereignis von besonderer Bedeutung, veröffentlicht das Bezirksamt dazu keine Zahlen der Haushalte“, schrieb mir gestern Christian Berg, Pressesprecher des Bezirksbürgermeisters.

Das Verfahren der „sozialräumlichen Quarantänisierung“ an sich sowie einzelne Medienberichte über die spektakuläre Maßnahme in Neukölln fanden allerdings nicht nur Zustimmung, sondern gaben auch Anlass zur Kritik. „Wir fragen uns, wieso ganze Mietobjekte unter Quarantäne sind und ob das in anderen Häusern ebenso gehandhabt wird“, hatte mir Georgi Ivanov vom transkulturellen Jugendverband Amaro Foro kurz nach der Pressekonferenz im Rathaus Neukölln geschrieben. Auch hatte er kritisierte, dass vereinzelt Journalisten – wie z. B. ein Kamerateam für eine rbb-Sendung vom 15.Juni – in die Privatsphäre der unter Quarantäne stehenden Menschen eingedrungen waren: „Es ist sowieso stressig genug, dass man positiv getestet wurde.“

=Christian Kölling=