„Für die Gropius Passagen wäre es gut, wenn der Laden bleibt“

Erst im Oktober vorletzten Jahres wurde die Eröffnung einer neuen Karstadt-Filiale mit knapp 8.000 Quadratmetern Verkaufsfläche in den Gropius Passagen gefeiert. Am Freitag wurde bekannt, dass dieses Kaufhaus nun kurz vor dem Aus steht: 62 der Häuser der Galeria-Karstadt-Kaufhof-Gruppe sollen in Deutschland geschlossen werden. Sechs davon allein in Berlin, darunter auch die Filiale in der Gropiusstadt. “Für die Gropius Passagen wäre es gut, wenn der Laden bleibt“, sagte mir gestern Michael Morsbach, Verordneter der SPD im Neuköllner Bezirksparlament und Vorsitzender des Ausschusses für Haushalt und Wirtschaft. Für die Stadt sei die Schließung der sechs Kaufhäuser eine Katastrophe, kommentierte der SPD-Kommunalpolitiker weiter und forderte ein gemeinsames Vorgehen aller Bezirke.

„Die CDU-Fraktion in der BVV Neukölln bedauert die Schließungen der Galeria-Karstadt-Kaufhof-Filialen, insbesondere der Filiale in den Gropius Passagen. Die Schließungen sind nach Ansicht der Fraktion im Kontext der Gesamtsituation des Konzerns zu sehen: Das klassische Konzept ‚Kaufhaus‘ scheint sich leider immer weniger zu rentieren“, teilte mir Gerrit Kringel mit, Vorsitzender der CDU-Fraktion.

Auch Morsbach sprach gestern am Telefon von selbstgemachten Problemen: “Wer sich bei Karstadt zum Beispiel im Frühjahr die Modekollektion ansieht, weiß was er bis zum Sommer kaufen kann. Andere Bekleidungsgeschäfte sind flexibler und wechseln schneller ihr Sortiment.“ Aus seiner Jugendzeit erinnerte sich der Kommunalpolitiker an eine Reihe von Kaufhäusern, die heute kaum noch ein Mensch kennt: „Horten, Sinn-Leffers, Karstadt, Quelle oder Hertie waren große und bekannte Häuser, wo es – vom Knopf bis zum Computer – praktisch alles gab. Heute sieht das Kaufhaus innen fast selbst wie eine Shopping-Mall mit vielen verschiedenen Geschäften aus.“ Ist das klassische Kaufhaus also ein Auslauf-Modell?

Bernd Szczepanski, Ko-Vorsitzender der Grünen BVV-Fraktion, erklärte in einer Pressemitteilung vom Wochenende: „Die Schließung der Galeria-Karstadt-Kaufhof-Filialen ist nicht nur ein schwerer Schlag für die Beschäftigten, sondern auch für die Anwohnerinnen und Anwohner im Süden Neuköllns. Nicht alle wollen oder können über das Internet einkaufen und ein Kaufhaus erfüllt neben der Versorgung mit Waren auch eine wichtige soziale Funktion.“ Er schloss an: „Die Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen Neukölln setzt sich dafür ein, dass die Karstadt-Kaufhof-Filiale in den Gropius Passagen erhalten bleibt.“

Michael Morsbach sagte im Vorfeld der nächsten BVV-Sitzung: „Ich halte es für wichtig, dass sich alle Berliner Bezirke gemeinsam darüber abstimmen, was gemacht werden kann, um das Vorhandene zu erhalten.“ Für die morgige Sitzung des Bezirksparlaments kündigte er an, dass es zumindest eine mündliche Anfrage geben wird, weil der Termin für die Einreichung großer Anfragen bereits verstrichen ist. Außerdem wünschte er sich, dass die BVV wegen der drohenden Schließung der Galeria-Karstadt Kaufhof-Filiale in den Gropius Passagen eine gemeinsame Entschließung – wie beispielsweise im Fall Philip Morris – verabschiedet.

=Christian Kölling=