„Sauberkeit rettet Leben. Das muss sich jetzt auch im Geldbeutel bemerkbar machen“

Im Jahr 1990 bestreikten Reinigungskräfte drei Wochen lang das Geschäftszentrum Century-City in Los Angeles. Sie erfuhren eine große Welle der Solidarität, nachdem Polizeikräfte eine Demonstration der Streikenden und ihrer Unterstützer angriffen, wobei zahlreiche Demonstranten verletzt wurden. Der Streik endete mit einer 25-prozentigen Gehaltserhöung und der Einführung einer betrieblichen Krankenversicherungsleistungen . Seither wird der 15. Juni als „Justice for Janitors Day“ (Tag der Gerechtigkeit für Reinigungskräfte) begangen und entwickelte sich allmählich zu einem globalen Aktionstag. Am diesjährigen Tag der Gebäudereiniger rief die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) wieder zu Anerkennung und Respekt für die Beschäftigten der Branche auf und erneuerten ihre Forderungen für die einen Tag später beginnenden Tarifverhandlungen.

Vor dem Gebäude der Fritz-Karsen-Schule in Britz trafen sich am Montagmittag DGB-Regionsgeschäftsführer Heiko Glawe, Philipp Dehne von der Initiative Schule in Not und Jens Korsten, Ansprechpartner der IG BAU für alle Beschäftigten der Reinigungsbranche in Berlin, sowie Neuköllner Vertreter von IG Metall und GEW zu einer kleinen Aktion: Mit Sprühkreide wollten sie auf die Forderungen der neuen Tarifrunde aufmerksam machen.

„Sauberkeit rettet Leben. Diese Einsicht aus der Corona-Krise muss sich jetzt auch im Geldbeutel bemerkbar machen“, sagte Jens Korsten, und fasste die Forderungen der IG BAU zusammen: „Wir fordern in der aktuellen Tarifrunde einen Stundenlohn von 12 Euro für die unterste Lohngruppe. In ihr arbeiten rund 80 Prozent der Beschäftigten. Das ist ein Plus von gerade einmal 1,20 Euro. Damit sind die Arbeiterinnen und Arbeiter immer noch nicht raus aus dem Niedriglohnsektor, aber es wäre für sie immerhin ein Signal.“

„Uns ist es wichtig, mit dieser Aktion auf die prekäre Situation von Reinigungskräften insbesondere in Schulen hinzuweisen. Gemeinsam sind wir heute auf der Straße, um uns für gute Arbeitsbedingungen einzusetzen“, sagte Heiko Glawe vom DGB Berlin. „Wir fordern mehr Zeit für Reinigungskräfte, unbefristete Arbeitsplätze sowie die Rekommunalisierung der Schulreinigung. Systemrelevanz bedeutet höhere Löhne und ein Weihnachtsgeld“, so Glawe.

Philipp Dehne erinnerte an die Beschlussempfehlung zum Bürgerbegehren „Saubere Schulen“ der BVV Neukölln vom 2. Juni und forderte ihre zügige Umsetzung. „Maßgebend ist, dass die Gebäudereinigung spätestens bis Ende des Schuljahres 2021/22 im Umfang von mindestens 25 v.H. und in jedem folgenden Schuljahr jeweils im Umfang von mindestens weiteren 25 v.H. der Neuköllner Schulen von Fremd- auf Eigenleistung umgestellt ist“, heißt es in der Drucksache 1731/XX unter anderem.

Derweil ist die Auftaktverhandlung der Tarifverhandlungen für die rund 700.000 Beschäftigten im Gebäudereinigungshandwerk bereits gestern in Frankfurt am Main ergebnislos vertagt worden. Die Verhandlungen werden am 3. September fortgesetzt, teilte die IG BAU in einer Presseerklärung mit.

=Christian Kölling=