Beim Arbeitslosenfrühstück der SPD-Rixdorf sind alle willkommen

„Wann löst er den Scholz ab? Er ist der Einzige, der arbeitet!“, flachst ein älterer Mann, der zum Arbeitslosenfrühstück der SPD Rixdorf am Reuterplatz gekommen ist, um ein großes Frühstückspaket entgegenzunehmen. Wolfgang Teßmann reicht es ihm durch das weit geöffnete Fenster eines ehemaligen Kiosks entgegen. Es ist an der Stimme des Mittfünfzigers zu hören, und wer das alte Milieu in der Umgebung mit seinem rauen Ton – also die Lebenswelt der unteren Schichten am Reuterplatz – noch ein wenig kennt, weiß es ohnehin: Der freundliche Spott des Mannes ist unverfänglich und anerkennend gemeint. Anderswo hätte der Mann in dieser Situation vielleicht „Vielen Dank für Ihre Hilfe. Gut, dass Sie da sind!“ gesagt.

Das Arbeitslosenfrühstück, das jeden ersten Samstag im Monat zwischen 10 und 12 Uhr stattfindet, feierte im Mai sein 20-jähriges Jubiläum. „Im Januar 2000 wurden drei Neuköllner SPD-Abteilungen zur SPD Rixdorf zusammengelegt. Damals überlegten wir, was wir tun können, um als Partei SPD weiter für die Menschen präsent zu sein. Deshalb fingen wir im Mai 2000 mit dem Arbeitslosenfrühstück an“, erzählt mir Katharina Stromeier am vergangenen Sonnabend bei meinem Besuch im Treffpunkt. „Als wir angefangen haben, hätten wir nicht gedacht, dass es nach 20 Jahren immer noch notwendig ist, das monatliche Frühstück zu veranstalten“, erinnert sich Stromeier weiter, die ebenso wie Teßmann von Anbeginn die Initiative organisiert.

In zwei Jahrzehnten änderte sich das Publikum des Arbeitslosenfrühstücks mehrmals. Während zur Jahrtausendwende noch viele Arbeitssuchende in den Kiosk gekommen seien, habe sich das Blatt inzwischen gewendet. „Wir haben schon überlegt, ob wir das Arbeitslosenfrühstück umbenennen. Aber kein Besucher fühlt sich durch den Begriff diskriminiert“, sagt Teßmann und fügt hinzu: „Wir machen keine Beratung und prüfen auch nicht, ob ein Besucher bedürftig ist. Alle sind beim Arbeitslosenfrühstück willkommen!“

Das Ziel des Frühstücks sei es nicht nur, die Menschen satt zu machen. „Wichtig ist uns auch die Schaffung sozialer Räume, um sich auszutauschen und sich einfach zu unterhalten. Das Frühstück hat auch dazu beigetragen, den Austausch zwischen Politik und Bedürftigen weiter zu intensivieren. Durchschnittlich dürfen wir 40 bis 50 Menschen aus Neukölln und Umgebung begrüßen“, so Teßmann. In Zeiten der Corona-Pandemie sind gemeinsame Zusammenkünfte am großen Frühstücksbuffet allerdings nicht mehr möglich. Stattdessen werden bis auf Weiteres mit den gebotenen Hygieneregeln reichhaltige Essenspakete geschnürt und verteilt. Die Kosten des Arbeitslosenfrühstücks, die wegen der nun erforderlichen Verpackung kräftig angestiegen sind, bringen die Abteilungsmitglieder der SPD Rixdorf aus eigener Tasche auf.

=Christian Kölling=

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