Drei temporäre Spielstraßen in Neukölln eröffnet

„Für Fahrzeuge aller Art verboten. Fahrräder und Krafträder dürfen geschoben werden.“ Mit dieser einfachen Regel, die das Zeichen 250 der Straßenverkehrsordnung signalisiert, und zwei kleinen Zusatzschildern richtete das Bezirksamt Neukölln mit ehrenamtlicher Unterstützung durch die Nachbarschaft am Pfingstwochenende drei temporäre Spielstraßen ein. Vorerst bis zum 9. August gilt hier an Sonn- und Feiertagen nachmittags ein absolutes Halte- und Durchfahrtsverbot.

Ursprünglich war die Einrichtung von sechs Spielstraßen auf Zeit vorgeschlagen worden, um Kindern und ihren Eltern während der Corona-Pandemie mehr Platz zu verschaffen, damit überfüllte Spielplätze entlastet und die Abstandsregeln auch dort besser eingehalten werden können.

Für zwei Straßen in Britz sowie für die Nansenstraße am Reuterplatz fanden sich jedoch nicht genügend Freiwillige, die dort die Einrichtung temporärer Spielstraßen unterstützen wollten. Deshalb lief der Modellversuch vorgestern nur im Norden Neuköllns an. Auf der sogenannten Schnalle, dem Verbindungsstück zwischen Karl-Marx- und Richardplatz sowie im Abschnitt der Hobrechtstraße, der zwischen Sander- und Pflügerstraße bereits als „Verkehrsberuhigter Bereich“ ausgewiesen ist. Außerdem kann jetzt auf dem letzten Stück der Selkestraße, das kurz vor der Schierker Straße als Sackgasse endet, ausnahmsweise unbeschwert gerannt, getobt, gesprungen, getanzt und gespielt werden.

„Die temporären Spielstraßen helfen, die Abstandsregeln einzuhalten und stehen für mehr Lebensqualität und engagierte Nachbarschaft in Neukölln. Ich wünsche mir, dass die Straßen gut angenommen werden“, sagte Bezirksbürgermeister Martin Hikel, der am Sonntag die temporären Spielstraßen am Richardplatz und in der Selkestraße besuchte. An der Schnalle in Rixdorf sprach ein Anwohner den Bezirksbügermeister und die SPD-Abgeordnete Derya Çağlar an, um sich wegen fehlender Parkplätze zu beschweren. Auf dem Spielplatz und im Comeniusgarten gebe es ausreichend Platz für die Kinder. Man müsse an alle Verkehrsteilnehmer denken und dürfte die Autofahrer nicht verprellen, merkte der Mann an, der Çağlar und Hikel mit seinen Argumenten allerdings nicht überzeugen konnte.

Die ehrenamtlichen Spielstraßen-Betreuer an allen drei Standorten stimmten darin überein, dass die Idee des Projektes sich erst noch in den Nachbarschaften herumsprechen müsse. „Wir lassen das ganz ruhig angehen“, sagte mir eine Betreuerin. Während der Pfingstfeiertage kam es zu keinem Ansturm auf die Spielstraßen, wie ich mich gestern noch einmal überzeugen konnte. Es gab – so wie versprochen – tatsächlich einmal viel Platz zum Abstandhalten in Neukölln.

=Christian Kölling=